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Release

Songs - Videos - Hörspiel
[Doppel-CD]
28 seitiges Booklet deutsch/englisch

Der Berliner Musiker Schneider TM besuchte mit einem mobilen Studio jugendliche Häftlinge in der JVA-Lichtenberg, sowie in der JSA Berlin in Plötzensee und komponierte mit ihnen Songs. Die Hörspielmacher Paul Plamper, Beat Halberschmidt und Marion Czogalla begleiteten dieses Projekt. Es entstanden Songs, Videos und ein Hörspiel, die Ende Juli als Doppel-CD erscheinen. Der Name ist Programm: Release heißt Befreiung, Erleichterung, aber auch Veröffentlichung.

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CHRONIK EINER AKTION
von Paul Plamper

Uns muss interessieren, dass immer mehr Mitmenschen in immer überfüllteren Gefängnissen leben. Das scheint tolerierter Teil unseres Systems geworden zu sein. Warum soll das Dasein hinter Gittern nicht auch öffentliche und kulturelle Bedeutung bekommen? RELEASE heißt Veröffentlichung. Aber auch Befreiung, Erleichterung, Erlösung. Hörspiel und Songs sollen zeigen, was Musik und Radio vielleicht sein könnten: Schallwellen, die Öffentlichkeit schaffen für das, was hinter Mauern passiert.

2002. Mir kommt die Idee zu einer Art Doku-Musical: Gefangene und Musiker sollen im Gefängnis zusammen an einem Song arbeiten, der aus und unter den Bedingungen der Haft entsteht. Für ein Hörspiel will ich den Arbeitsprozess lediglich dokumentieren und mich dabei auf die Möglichkeiten des Schnitts verlassen.

2003. Isabel Platthaus, Redakteurin bei WDR/1-Live, hat tatsächlich den Mut, sich auf ein Projekt einzulassen, von dem unklar ist, ob dabei überhaupt verwendbares Material herauskommen wird. Vorbereitungszeit mit meinem Freund und Kollegen Julian Kamphausen. Der Anfang der Aktion RELEASE zieht sich anderthalb Jahre in die Länge, weil wir unsere(n) MusikerIn einfach nicht finden.

Frühjahr 2004. Marion Czogalla, mit der ich bereits bei HENRY SILBER zusammengearbeitet habe, steigt als Produktionsleiterin in das Projekt ein und bringt den Musiker Schneider TM ins Spiel. Treffen mit Schneider, der eigentlich keine Zeit hat, aber als erstes sagt: "Ich muss das einfach machen." Wir sind sofort auf einer Wellenlänge: Wir wollen keinen "Sozialporno", sondern uns auf die musikalische Zusammenarbeit mit den Gefangenen konzentrieren. Dabei geht es nicht um musikalisches Profitum, sondern um Inhalte, die in den Song sollen. Diesen fertig kriegen ist die Devise, denn zunächst ist nur ein Song geplant. Wir wissen nicht, was uns im Gefängnis erwartet, planen aber, alles für das Hörspiel mitzuschneiden, also auch eventuelle Krisen oder Zusammenbrüche. Notfalls wird das Hörspiel die Geschichte eines Scheiterns erzählen.

Mai 2004. Aus den Gefängnissen JVA Tegel, Jugendstrafanstalt Berlin in Berlin-Plötzensee und JVA Lichtenberg kommt das OK von oben, trotz Personalknappheit. Denn ein Problem ist, dass dieses Projekt Personal aus dem laufenden Betrieb abzieht. Uns und den Gefangenen müssen auf dem Weg vom und zum Arbeitsraum viele Türen auf- und zugeschlossen werden. Diese und letzte Hürden wie polizeiliches Führungszeugnis werden Dank der hilfsbereiten Kollegen der sozialtherapeutischen Abteilungen genommen. Zum Beispiel sagt uns ein Mitarbeiter aus der JSA Berlin: "Wir sind darauf angewiesen, dass Leute von draußen hier Projekte machen und neue Energie mit herein bringen."

Wir dürfen einen Flyer in den Gefängnissen publik machen, mit dem wir Gefangene für unser Projekt suchen: "Liebe Gefangene! Wer will mit uns an einem Song arbeiten? Wir suchen jemand, der an Musik interessiert ist oder gerne Musik macht, der gerne selber Texte schreibt oder einen Songtext schreiben lernen will, der für seinen Songtext eine Melodie entwickeln möchte und der seinen Song auch selber singen will. Musikalische Fähigkeiten wie Notenlesen oder Töne treffen sind keine Grundvoraussetzung. Es geht einfach darum, durch Text und Musik einen Ausdruck für die Dinge zu suchen, die Dir auf der Seele brennen und die Du zu sagen hast. Mit Dir zusammenarbeiten wird der Musiker und Musikproduzent Schneider TM. Schneider TMs musikalischer Horizont reicht von Rock bis Elektronik und er ist für die Fusion verschiedenster Stilrichtungen bekannt. (...) Falls Du Interesse hast mitzumachen, oder dich einfach noch näher zu informieren, ob diese Aktion etwas für Dich sein könnte, dann triff uns doch zu einem ersten Gespräch!"

Juli 2004. Wir treffen Gefangene in den drei Gefängnissen, stellen ihnen die Idee vor und führen Gespräche, ob man miteinander arbeiten will und kann. Daraufhin will Schneider mit so vielen Gefangenen wie möglich arbeiten und versuchen, mehrere Songs zu schaffen. Es folgt die Entscheidung, mit vier Gefangenen in zwei Gefängnissen zu arbeiten, weil bei drei Gefängnissen der organisatorische Aufwand zu groß werden würde. Ingo und Rados in Haus 8 der JSA-Berlin in Berlin-Plötzensee, sowie Mogli und Sabrina in der JVA Lichtenberg sollen gemeinsam an einem Song arbeiten, ohne jemals zusammen im gleichen Raum sein zu können.

August 2004. Ab jetzt sind wir die Boten, die mit digitalen Datenträgern zwischen zwei Gefängnissen hin- und herpendeln. Am Einlass jeweils Abgabe von Handy und Personalausweis, Bodycheck und Equipmentcheck, denn wir bauen für jedes Treffen ein Hörspielstudio und ein Musikstudio auf und sind beladen mit Technik.

Außer beim Hereinkommen haben wir kaum Einblick in das, was Gefängnis und Haft im Alltag wohl ausmacht, weil unser Projekt abgeschottet vom Routinebetrieb läuft. In dieser Inselsituation, die wir bei jedem Treffen im Konferenzzimmer und Bandübungsraum für einige Stunden herstellen dürfen, wird sehr schnell klar, dass das Hörspiel nicht den Anspruch haben kann, umfassend vom Gefängnisalltag zu erzählen. Schon allein, weil wir den Faktor Zeit nicht erleben. Die drei bis vier Stunden, die wir jeweils vom Nachmittag bis zum Abend haben, wenn keine Besucher mehr im Gefängnis sein dürfen, kommen uns jedes Mal zu kurz vor, die Abschiede sind immer hektisch. Manchmal muss per Fax weiterkommuniziert werden, zum Beispiel gebeten werden, etwas Bestimmtes bis zum nächsten mal zu üben.

September 2004. Ich sichere den Beteiligten Mitspracherecht bei der Rohfassung des Schnitts zu. Die Ansteckmikrofone werden von allen zunehmend vergessen und die Gefangen fragen sogar noch bei einem der letzten Treffen: "Läuft es noch, nimmst du das gerade auf?" Während aller Treffen läuft die Aufnahme von der ersten bis zur letzten Minute.

Daraus resultiert enorm viel Tonmaterial. Bis Dezember werden wir 60 Gigabyte angesammelt haben, die wir auf 53 Minuten Hörspiel herunterkürzen müssen. Marion sortiert das Material vor. Wir stellen fest, dass richtiges Kennenlernen von insgesamt sieben Personen für den Hörer unmöglich sein wird. So ist die erste und aufwendigste Schnittarbeit, das Verschwinden von Marion und mir aus dem Hörspiel zu inszenieren.

Schneider macht erste Beats nach den Wünschen der Gefangenen, nimmt Instrumente von den Mädchen auf und Human Beatbox von Rados. Noch sind viele Song-Texte im Umlauf, manche werden eingerappt, dann wieder verworfen. Es kristallisiert sich heraus, dass wir vier Songs machen wollen, aber der Arbeitsprozess zieht sich in die Länge. Unter anderem hat Rados wegen Auseinandersetzungen mit anderen Gefangenen öfters "Einschluss" (d.h. keine Teilnahme an Freizeitaktivitäten) und kann sich kaum mit Ingo zum Schreiben oder Üben treffen.

Oktober 2004. Schneider muss auf Tour nach Japan. Ich nehme währenddessen Raps in der JSA Berlin auf, damit wir weiterkommen. In Lichtenberg wird Mogli entlassen, woraufhin Sabrina ein paar Treffen nicht erscheint. Rados und Ingo streiten sich. Da unser Ziel nicht Beschäftigungstherapie ist, sondern das Fertigkriegen der Songs, beißen sich alle Beteiligten durch. Schneider ist zurück und tut sein Möglichstes zuhause. Der vierte Song "Die Schiene in meinem Fuß" in Lichtenberg wird verworfen, weil die freigelassene Mogli mit uns nicht zu Sabrina ins Gefängnis kommen darf, Sicherheitsrisiko. Sabrina kommt wieder zu den Treffen und Schneider arbeitet mit ihr den "Anarchie-Text" in "Lüge vs. Wahrheit" ein. Aber für den gemeinsamen Song fehlt immer noch ein Refrain. Die Sängerin und Schauspielerin Julia Hummer hört den halbfertigen Song bei Schneider im Studio, ist davon begeistert und versucht spaßeshalber dazu zu rappen. Zufällig schüttelt sie dabei unseren Refrain aus dem Ärmel.

November 2004. Schneider hat die drei Songs im Wesentlichen fertig produziert, sucht mit Ingo und Rados noch Waffensounds und macht erste Mixe. Die Arbeit am Schnitt des Hörspiels geht in die heiße Phase. DasMaterial wurde in monatelanger Arbeit auf ca. drei Stunden heruntergedampft. Unsere Essenz dessen, was passiert ist. Es wird immer unklarer, ob daraus ein hörbares Hörspiel werden kann. Der Musiker Beat Halberschmidt, mit dem ich bereits die Hörspiele TOP HIT... und H2ODH geschnitten habe, stößt dazu. Wir versuchen unzählige Anfänge. Der Anspruch, alles erzählen zu wollen, was passiert ist, lähmt uns. Wir fragen uns, ob das alles überhaupt geht. Der Ursendungstermin steht. Nach Hören der ersten Schnittversuche zeigt sich die Redaktion besorgt. Es kommt der Anstoß, von der Musik aus zu erzählen. Schließlich gelingt Beat und mir in zwei Stunden plötzlich ein Schnitt, der die Geschichte der Songs erzählt und dabei alle anderen Vorkommnisse streift. Eine Art schneller Wurf, der uns leicht erscheint und der persönlich ist. Bei dieser Schnittversion bleiben wir.

Dezember 2004. Treffen mit Mogli, die mittlerweile mit ihrem Hund Motte, einigen Katzen, vielen kleinen Hundewelpen und anderen Punkern in Neukölln lebt und die Moderationen spricht. Das Hörspiel ist fertig. Alle Gefangenen bis auf Sabrina hören es. Manche nehmen ihr Mitspracherecht wahr und lassen etwas herausschneiden. Wir können Sabrina nicht mehr erreichen, die plötzlich in eine Therapie-statt-Strafe-Einrichtung verlegt wurde und aus ihr verschwunden ist. Wir sind beunruhigt, auch weil sie den Schnitt nicht abnehmen kann. Das Hörspiel läuft erfolgreich im Radio bei WDR-1Live.

Januar 2005. Das Hörspiel läuft im WDR 3. Rados kommt frei und verlässt die Stadt. Unser nächster Schritt ist die "Release" der Songs und des Hörspiels. Lieblingslied Records zeigt sich interessiert. George Lindt will mit der Veröffentlichung eine Weiterentwicklung des Projekts versuchen. Er schlägt vor, alles als Doppel-CD mit Bonusmaterial herauszubringen und um die visuelle Ebene mit einem "Lüge vs. Wahrheit"-Video zu bereichern.

Februar 2005. Sabrina ist wieder im Gefängnis in Lichtenberg. Wir treffen sie. Sie freut sich über das Hörspiel. Wieder Schnitt. Die Doppel-CD bedeutet die Möglichkeit, wichtige Szenen, die aus Zeitgründen nicht ins Hörspiel passten, zu veröffentlichen. Wir entscheiden, das Hörspiel so zu belassen, aber die CD mit dem Bonusmaterial um Fragmente zu ergänzen, die den RELEASE-Kosmos in unterschiedliche Richtungen erweitern sollen. Schneider macht eine DUB-Version von Chicko und fragt den Videokünstler und Filmemacher Niklas Goldbach, der bereits Schneider TM-Videos gemacht hat, ob er unser Video drehen kann.
Rados kommt für den Videodreh mit Niklas aus München angereist. Wir bauen im Büro von Lieblingslied Records, in der JVA Lichtenberg und im Haus 8 in Plötzensee eine Bluebox auf. Alle Beteiligten werden an den unterschiedlichen Orten separat aufgenommen, weil es nicht anders geht. Im fertigen Video stehen alle nebeneinander, präsentieren den gemeinsamen Song. Das Video bedeutet für die Beteiligten die Möglichkeit, die Kollegen endlich auch zu sehen: "Den hab ich mir ja ganz anders vorgestellt!" Bisher kannte man einander ja nur als Stimme.

März 2005. Niklas Goldbach produziert ein zweites Video mit Aufnahmen aus Plötzensee zum Chicko-DUB.

April 2005. "Abnahme" dieser Veröffentlichung durch die Haftanstalten. Leider müssen wir die Auflagen der JSA Berlin befolgen und Ingos Gesicht im Video, sowie die Stimme eines Gruppenbetreuers im Hörspielbonusmaterial unkenntlich machen.

Mai 2005. RELEASE ist die Eröffnungsveranstaltung von DIE HÖRSPIELZENTRALE, einer monatlichen Reihe von Marion und mir im Berliner HAU-Theater. Zugleich ist der 14. Mai die Record Release Party dieser Doppel-CD.
Viel Spaß damit.

Berlin, den 16.4.2005

PS: UK = Urinkontrolle. MV = Märkisches Viertel.


ZWEI BERLINER GEFÄNGNISSE
von Kirsten Küppers

In der Jugendstrafanstalt Berlin in Berlin-Plötzensee sitzen 529 junge Männer ein. Sie gehören ca. 35 verschiedenen Nationalitäten an, die Deutschen bilden mit rund 55 Prozent die größte Gruppe, gefolgt von den Türken (11 Prozent) und den Libanesen (7 Prozent). Der Altersdurchschnitt der Gefangenen liegt bei 21 Jahren. 60 Prozent von ihnen sitzen wegen Gewaltdelikten, vom Raub über schwere Körperverletzung bis hin zu Vergewaltigung und Mord. Rund 60 bis 70 Insassen gehören laut Anstaltsleitung zur Gruppe der so genannten jugendlichen Mehrfach- oder Intensivtäter.

Am ersten Tag im Gefängnis erhalten die Männer blaue Anstaltskleidung. Sie dient gleichzeitig als Arbeitskleidung. Nachmittags nach 15 Uhr dürfen die Gefangenen eigene T-Shirts und Hosen anziehen. Für die Freizeitgestaltung gibt es im Gefängnis unter anderen Möglichkeiten eine Schachgruppe, eine Fußball-AG und Anti-Aggressionstraining. Die 9,50 qm großen Einzelhafträume sind mit einer abgetrennten Nasszelle mit WC und Waschgelegenheit ausgestattet und können von den Insassen selbst von außen abgeschlossen werden. Im Haftraum befinden sich ein Bett, ein Schrank, ein Schreibtisch, ein Stuhl, ein kleines Regal sowie eine Garderobenleiste. Elektrische Geräte wie Kassettenrekorder, Walkman und Radio dürfen die Gefangenen in die Anstalt mitbringen. Seit gut einem Jahr verfügt die Anstalt auch über eine eigene Internetseite.

Das Gefängnis Plötzensee gibt es schon lange. Als Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Menschen aus allen Teilen des Landes nach Berlin kamen, um in den neuen Fabriken nach Arbeit zu suchen, brauchte die Stadt ein neues Gefängnis. Die Bevölkerung wuchs allein in den Jahren zwischen 1848 und 1871 von 400.000 auf 826.000. Nicht zuletzt die schlechten Lebensbedingungen in den Mietskasernen sorgten dafür, dass sich kriminelle Energie unter den Bewohnern ausbreitete. Banden organisierten sich, die Zahl der Verbrechen stieg. Die vorhandenen Strafanstalten reichten nicht aus. Das königliche Justizministerium unter Wilhelm I. beschloss, ein neues Gefängnis für rund 1.400 Straftäter auf dem Gelände der Oberförsterei Tegel, Gutsbezirk Plötzensee, zu bauen.

Auch in der neuen Anstalt war es eng. Die Gefangenen wurden in Gemeinschaftszellen mit bis zu 40 Insassen untergebracht. Es gab aber auch den so genannten Maskenflügel. Hier durften die streng isolierten Männer ihre Zellen nur nach Anlegen einer Gesichtsmaske verlassen. Sie sollten nicht zu erkennen sein, um im späteren Leben keine Nachteile zu haben.

Ansonsten verbrachten die Häftlinge ihre Tage in den Werkstätten, wo sie Pappteller, Türen, Besen, Teppichklopfer, Rohr- oder Kokosmatten herstellten. Daneben wurden Schulunterricht, belehrende Lichtbildervorträge und Turnübungen angeboten, die Teilnahme war Pflicht.

1887 wurde die Strafanstalt Plötzensee als Ort für die Vollstreckung der Todesstrafe ausgesucht. Zur Todesstrafe Verurteilte wurden durch einen Scharfrichter mit dem Handbeil hingerichtet. Besonders im Dritten Reich wurden viele dem Regime unbequeme Menschen in Plötzensee umgebracht, darunter die Mitglieder der "Roten Kapelle" und auch 89 Widerstandskämpfer aus dem Kreis der Attentäter vom 20. Juli.

Nach dem Krieg bestimmten die Alliierten das Gefängnis Plötzensee zur Jugendstrafanstalt. Neue Methoden musste das Personal deswegen nicht lernen. Die jungen Insassen wurden genauso verwahrt wie vorher die erwachsenen Häftlinge. Sie mussten einfachste und unqualifizierte Arbeiten verrichten und wurden als billige Arbeitskräfte an Privatfirmen verliehen. Sie flochten Fußmatten, klebten Tüten und stanzten Metall. Dem Gefängnispersonal war es verboten, private Gespräche mit ihnen zu führen. Weil große Teile der Anstalt wegen der Kriegsschäden nicht benutzt werden konnten, waren die Verhältnisse zudem sehr beengt. Gefangene wurden zu dritt in Einzelzellen zusammengepfercht, Gemeinschaftszellen waren mit bis zu 25 Männern belegt. Es dauerte nicht lange bis sich kriminelle Subkulturen und ein unangenehmes Kapo-System ausbildeten.
Erst zu Beginn der 60er Jahre änderte sich der Strafvollzug in Plötzensee: Versuche mit Erziehungs- und Wohngruppen wurden unternommen. Die Arbeitskräftevermietung wurde 1965 abgeschafft. Seither gibt es in der Anstalt ausschließlich Ausbildungsbetriebe, Schulunterricht mit Förderkursen sowie die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen. Bei der Gefängnisleitung entstand die Überzeugung, dass nur in einer neu erbauten Anstalt mit modernen, hellen Räumen ein sinnvoller Strafvollzug möglich wäre. Ein bundesweit ausgeschriebener Architektenwettbewerb zog sich dann aber in die Länge. Interessengruppen, die Gefängnisse grundsätzlich ablehnten und abschaffen wollten, protestierten gegen das Vorhaben. Immer wieder stockten die Planungen. Tatsächlich konnte der Neubau erst 1987 bezogen werden.

Heute umfasst eine Wohngruppe in Plötzensee zwischen 10 und 20 Insassen. Die Gefangenen sind in der Regel in Einzelhafträumen untergebracht. Jede Gruppe wird von einem Sozialarbeiter oder Psychologen und von Vollzugsbeamten betreut. Gemeinsam mit jedem Häftling erstellen sie einen Vollzugsplan. In diesem werden die wesentlichen Ziele für die Behandlung, Aus- und Fortbildung vorgegeben. Es gibt Einzel- und Gruppengespräche, Schuldnerberatung, Computerkurse usw. Die Hafträume sind von 6 bis 21 Uhr geöffnet. Immer wieder werden Vereine, Theatergruppen, kirchliche Veranstaltungen und Studentengruppen in die Anstalt geholt, um die Kluft zwischen draußen und drinnen zu verringern.

Die Anstaltsleitung sagt, seit Einführung dieser Maßnahmen sowie durch die Möglichkeit, Lockerungen wie Urlaub, Ausgang und Freigang zu gewähren, hätten Aggressionen unter den Insassen, gegen Bedienstete und gegen Sachen abgenommen.

Überdauert haben die Parallelökonomien, die in jedem Knast funktionieren. Dazu gehören der verbotene Handel mit Drogen und Zigaretten. Und der legale Betrieb jener geschäftstüchtigen Berliner Firma, die den Gefangenen im Supermarkt auf dem Gelände Waren des täglichen Bedarfs zu überteuerten Preisen anbietet.

Der Vollzug ist bei den Frauen anders organisiert als im Männergefängnis. Während in Berlin mehr als 5.000 Männer als Gefangene einsitzen, gibt es nur etwa 220 weibliche Häftlinge. Gefängnispsychologen sagen, dass während Männer in Frustrationssituationen auf Mitgefangene losgehen, richteten Frauen Gewalt eher gegen sich selbst. Sie seien eher selbstmordgefährdet, heißt es.
Im Frauengefängnis Berlin-Lichtenberg gibt es daher mehr Freiheiten als in den Männergefängnissen der Stadt. Es ist nicht mehr so wie es einmal war, als Lichtenberg noch ein berüchtigtes Stasi-Gefängnis war. Als die Häftlinge sich in schmalen Zellen drängelten, von unangenehmen Schließern drangsaliert wurden und das Essen schlecht schmeckte. So wie ein ehemaliger Häftling erzählt: "Besonders die Krautsuppe, die es jeden Montag gab, war allerseits unbeliebt. Der Geschmack erinnerte an einen längere Zeit feucht gelagerten Abwaschlappen. Unerfreulich war auch "tote Oma", Blutwurst, die mit größeren Mengen Wasser zu einer spinatähnlichen Soße verrührt war."

Lichtenberg gilt heute als besonders fortschrittliche Einrichtung. Alle 230 Frauen sind in Wohngruppen untergebracht, können sich dort frei bewegen, in der Küche Essen kochen oder fernsehen. Die einzelnen Zellen sind nicht abgeschlossen, nur der gesamte Wohnkomplex. Es ist auch nicht üblich, die Gefangenen unentwegt zu kontrollieren. Für drogenabhängige Frauen gibt es sogar einen Spritzenautomaten auf dem Flur.

Aber Anfang vergangenen Jahres hat es auch hier Gewalt gegeben. Eine 20-Jährige wurde von vier anderen inhaftierten Frauen mit einem Elektrokabel geprügelt, kahl rasiert und gezwungen, Urin zu trinken.

"Das wird nicht wieder vorkommen", hofft der Lichtenberger Gefängnisdirektor. "Wir haben Maßnahmen ergriffen, um die soziale Kontrolle der Frauen untereinander zu verstärken."


DIE SONGTEXTE

LÜGE vs. WAHRHEIT

MV EGON:
Ich lüge gerne, bekomm davon in den Augen große Sterne.
Lüge viel zu oft, das ist meine Sucht, wie für andere Drogen.
So steht auf meim T-Shirt geschrieben: "Ich habe gelogen".
Habe viele Frauen betrogen, von morgens bis abends belogen,
hab den Frauen das Herz verschoben.
Habe mir nie Gedanken darüber aus dem Kopf gezogen,
vielmehr darüber gelacht.
Das Lügen ist für mich wie eine unbekannte Macht.
Es brachte mich bis jetzt immer weiter.
Es ist noch nicht vorgekommen, dass ich daran gescheitert.
Nicht mal der Lügendetektor hat es geschafft,
meine Lügen aufzudecken und die Wahrheit ans Licht gebracht.
Klein Egon hat schon immer eine Lüge zur Wahrheit gemacht.
Bringte sie jeden Tag unter's Volk. Na klar!
Sowieso, mit Erfolg, sonst hätt es ja keinen Sinn.
Und die Leute würden sagen ich spinn,
aber nein, meine Lügen sind schon dabei
sich mit deinen Gehirnzellen zu vereinen.
Meine Lügen sind auch gemein.
Ohne zu zögern dringen sie in deine Gedanken hinein.

RABO KIVIO:
Das glaub' ich nicht.
Deine Lügen sind undicht wie ein Sieb
und täuschend wie ein halluzinogener Trip.
Ich gebe jedem aus Prinzip einen guten Tipp,
bei mir hat man keinen Erfolg damit.
Man schafft höchstens einmal einen Hit
und beißt danach stets auf Granit.
Also lass den Shit, denn ich steh nicht auf Politik.

Ich sage ohne Umwege die Wahrheit,
weil sie aus meinem Herzen herausschreit,
sie steht noch, wenn nichts mehr bleibt
und das Leben die Texte schreibt.
Sie hat mich aus der Dunkelheit befreit
und mir eine Lektion erteilt.
Jetzt bin ich bereit für jeden Fight.

Mich schaffst du nicht hinters Licht zu führen.
Ich gehör nicht zu den Leuten, die die Wahrheit nicht spüren,
Weil sie zu oft betrügen oder lügen und nicht nach ihr fragen,
weil sie die Wahrheit nicht ertragen.
Ich war nicht immer ehrlich,
darum beschwer ich mich nicht,
sondern leg die Karten offen auf den Tisch.
Ich bin systematisch
gegen Lügen allergisch
wie gegen drei Wochen alten Fisch.

JULIA:
Lügen haben kurze Beine
Hey, klein Egon, check mal deine.
Du rappst wie im Teufelswahn? Aha.
Deine Lügen komm bei mir nicht an.

MV EGON:
Hab den Text gehört und mich totgelacht.
An deiner Stelle hätt ich mich schon umgebracht.
Mach mal deine Augen auf.
Du sitzt auf deiner Traumwelt drauf.
Die ganze Generation heutzutage ist mit Lügen aufgebaut.
Egal wo. Egal wann.
Alles was wir sehen. Nirgendwo ist noch ein Stück
Wahrheit dran.
Das ist auch der Grund warum klein Egon rappt
wie im Teufelswahn.
JULIA:
Lügen haben kurze Beine
Hey, klein Egon, check mal deine.
Du rappst wie im Teufelswahn? Aha.
Deine Lügen komm bei mir nicht an.

Kann dann nicht mehr entspann', Mann.
Wär dann wie all die anderen.
Wundert voll, dass Dir da gar nichts fehlt.
Check mal aus, was da mit Wahrheit geht.

Lügen haben kurze Beine -
Hey, klein Egon, check mal deine.
Du rappst wie im Teufelswahn? Aha.
Und jetzt hör dir das mal an:

SABRINA:
Ich bin wie ich bin, leb meine eigene Anarchie.
Ich bin wie ich bin, lebe nicht wie sie.
Ich will nur Mensch sein und kein Star
mit verlogenem Grinsen in der Menschenschar.
Lasst mir Luft zum Atmen.
Lasst mich doch leben.
Lasst mir mein Ich.
Eure Masken stehen in Flammen.
Ich kann sie brennen sehen.
Darunter nur tote Gesichter,
die im Leeren stehen.
Wo ist euer Hirn, wo ist euer Herz?
Ihr müsst euch beeilen, bevor es erfriert,
im Sturm von Hass, Neid und Schmerz.

JULIA:
Lügen haben kurze Beine
Hey, klein Egon, check mal deine.
Du rappst wie im Teufelswahn? Aha.
Deine Lügen komm bei mir nicht an.

Kann dann nicht mehr entspann', Mann.
Wär dann wie all die anderen.
Wundert voll, dass Dir da gar nichts fehlt.
Check mal aus, was da mit Wahrheit geht.

CHICKO

MV EGON:
Morgens steh ich auf, wasch mir das Gesicht,
guck in den Spiegel, das bin ich nicht.
Chicko seine Zeit ist vorbei.
Er kommt zu mir und sagt: "Hau rein."
Versteh ich nicht recht.
Frag ihn wie jeden Morgen: "Hast du Kaffee aufgesetzt?"
Er sagt: "Nein, ich lass dich jetzt allein."
Seine 14 Monate gingen schnell an uns vorbei.
Wir werden uns sehen, die Welt ist klein,
bau draußen keine Scheiße, komm nicht mehr rein,
mach erstmal Urlaub im Sonnenschein.
Draußen ist das Leben, wo es sich lohnt zu leben.
Das musst du begreifen, auch wenn's mal schief geht,
dann musst du eben noch doller auf die Zähne beißen.
Ich glaub an dich und nicht nur ich,
viele andere wünschen es sich, dass du Chicko
auf Drogen verzichtest,
einen graden Weg gehst
und auf jeden schlechten Einfluss einen Fick gibst.
Du kommst aus dem MV,
ich selber weiß wie schwer es ist,
sich dort etwas aufzubaun.
Du hast das Gefühl, jeder will dich beklaun.
Dort denkt jeder nur an sich.
Mach dein eigenes Ding, Chicko,
ich glaub an dich.
Und lass die Finger weg von Drogen,
Drogen sind verlogen,
dein Rücken bekommt davon einen Bogen,
fühlt sich von der Menschheit betrogen,
runtergezogen.
Chicko, ich glaub an dich und nicht nur ich,
auch die anderen Freaks hier glauben an dich!

Kwitschie, seine Philosophie,
war zum Schluss immer eine Therapie,
Wagner, unser Verplaner, aber immer angesagter,
wer weiß, vielleicht wird aus ihm ein Drogenfahnder.
Peske, trägt eine schusssichre Weste,
das war auch der Grund, warum er uns immer stresste.
Für dich Chicko nur das beste.

Du warst Maler und hast mir meine Zelle renoviert,
als Dankeschön hab ich dir Chicko auf den Arm tätowiert.
Haben zusammen unsere Namen in Standardfarben
gegen die Knastmauer geschmiert.
Diese Zeit hier mit dir hat mir gezeigt:
für dich mein Bruder geh ich sehr weit,
noch viel weiter als die Unendlichkeit.
Jeder soll es wissen, diesen Track sollte man nicht dissen.
Diese Zeilen kommen vom Herzen,
beschreiben Zeiten voller Schmerzen,
mit unserem Leid ist nicht zu scherzen.
Wir haben füreinander gekämpft,
als würde unser Leben davon abhängen.
Wir wussten genau, uns wird nichts geschenkt,
haben unsere Probleme einfach aus dem Weg gesprengt.
Jetzt sind wir bereit, unser altes Leben in uns zu versenken.
Die Stunden hinter Gittern gaben uns Momente zum Bedenken,
um endlich zu kapiern, dass auch wir es schaffen können,
weil wir, Chicko und Klein Egon, existiern.

Kwitschie, seine Philosophie,
war zum Schluss immer eine Therapie,
Wagner, unser Verplaner, aber immer angesagter,
wer weiß, vielleicht wird aus ihm ein Drogenfahnder.
Peske, trägt eine schusssichre Weste,
das war auch der Grund, warum er uns immer stresste.
Für dich Chicko nur das beste.

MEIN LEBEN
übersetzt aus dem Serbo-Kroatischen von Rabo Kivio

RABO KIVIO:
Wach und echten Lebens hungrig, schaue ich von 5 bis 7 in die Welt. Ich weiß, warum ich bin, wo ich jetzt bin. War mir selber mein größter Feind. Ich bin sehr liebenswürdig, aber noch mehr gefährlich, weniger für mich, mehr für andere. Wie die Kugel aus der Pistole bin ich tödlich für denjenigen, welcher mich genug erzürnt. Ich bin nicht der einzige, der euch warnt, bin nicht mal jemand, der euch den Verstand "salzt" oder denkt, dass mich euer Interesse bereichern wird. Schnell vergehen und flüchten die Jahre, wenn du glücklich bist, solange du glücklich bist, so lange du deines Glücks sicher bist und dein Leben in Ordnung ist. Ich geb euch was zum Nachdenken. Ich lebe nicht mehr wie im Traum und als ob jeder Tag mein vorletzter wäre. Bisschen spät, aber zumindest jetzt sehe ich alles und erinnere mich, wie es früher war. Nie angenehm, nur bitter, wenn dich etwas Schädliches in der Jugend fängt und bis zum Alter oder Tod gefangen hält.

Diese Worte, hört sie gut und erinnert euch an sie, wenn ihr es nicht büßen wollt. Sie sind wichtige Aussagen.

Roter Himmel, wie meine Augen, nachdem ich mich 23 Stunden berauscht und betrunken habe. Darum habe ich fast meine gesamte Zukunft ganz zerstört. Auf die ganze Welt bin ich sauer, seit ich 5 Jahre alt geworden bin. Im Gefängnis bin ich vernünftig geworden. In ihm bin ich gelandet, weil ich nicht auf meinen Vater gehört habe. In Deutschland hier in der Stadt Berlin bin ich geboren worden, aber auf unserem Land in einem ruhigen und schönen Dorf bin ich aufgewachsen. Da bin ich zur Schule gegangen und bin ein ausgezeichneter Schüler gewesen. Jetzt mache ich mir Vorwürfe, dass ich an den Ort meiner Geburt zurückgekommen bin. Hier habe ich die allergrößten Probleme in meinem Leben gemacht, die allergrößten Chancen habe ich gehabt, aber habe nichts geschafft. Vor der Realität bin ich geflüchtet und habe mich im Traum versteckt. Die Schule habe ich gelassen. Habe mich den ganzen Tag betäubt und mich mit meiner ganzen Familie gestritten. Mein Vermögen und die allerwichtigste, allerschönste Zeit habe ich verloren.

Diese Worte, hört sie gut und erinnert euch an sie, wenn ihr es nicht büßen wollt. Sie sind wichtige Aussagen.

Es ist noch schlimmer geworden, nachdem auch mich das Gift verändert hat. Habe angefangen, zu lügen, unmöglich viel zu schimpfen und mich ohne Grund mit anderen zu prügeln, Geld ohne Vorsicht auszugeben, alkoholische Getränke und Gras in immer größeren Mengen zu kaufen. Habe alles geklaut was mir gefiel, obwohl ich es nicht musste, weil ich genug "Potte" hatte oder es gar nicht brauchte. Es ist nicht dabei geblieben, auch andere Sachen habe ich genommen, verbotene Sachen gemacht und mich im Leben verirrt, bis ich in die Wirklichkeit zurückgekehrt bin. O unglaublich, wie ich mich betrogen habe. Habe viel zu viel gewartet, aber mit Glück habe ich nicht alles verloren, habe mich nicht mal aufgegeben. Ich bin noch jung und jetzt auf der richtigen Seite, bin nicht ein Blöder, welcher nicht begreift. Darum entfliehe ich dem Unglück.

Diese Worte, hört sie gut und erinnert euch an sie, wenn ihr es nicht büßen wollt. Sie sind wichtige Aussagen.

Herz voll Stärke, es ist noch nicht zu spät für mich. Gekommen und angekommen ist die Zeit, dass ich euch allen zeige, dass es wahr ist, was ich sage. Ich habe mich gerettet, weil ich die gefährlich giftige Gewohnheit wie eine tödliche Schlange aus der Hand warf und ihren Schwanz noch rechtzeitig losließ. Habe mich gelehrt, mich zu hüten, jetzt schreite ich auf dem richtigen Weg. Arbeite mit der Firma, mache nicht Komplikationen, sondern Musik und verdiene gut. Ich "voze" nicht rum, sondern ich verkünde euch, dass ich überleben will, darum nichts vergesse, auch wenn ich meine Geschichte nicht mag. Ich bete zu Gott, aber erinnere mich und bezahle alles. Ihr könntet etwas von mir lernen. Ich kämpfe immer weiter, auch wenn ich blute und brenne, oder den Ausweg nicht sehe, ich suche ihn, bis ich ihn treffe. Ich kann euch nicht richten, oder euch Verstand schenken. Kann euch nur warnen, weil ich die Wahrheit erzähle.

Diese Worte, hört sie gut und erinnert euch an sie, wenn ihr es nicht büßen wollt. Sie sind wichtige Aussagen.

Das Leben geht weiter und jeder schaut nach sich selbst, aber es ist schwer, alleine aus dem Elend rauszukommen.

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CREDITS

Hörspiel
mit Mogli, Sabrina, Ingo a.k.a. MV Egon, Rados a.k.a. Samurai a.k.a. Rabo Kivio, und Schneider TM.
Special Guest im Refrain: Julia Hummer. Schnitt: Paul Plamper, Beat Halberschmidt und Marion Czogalla.
Mischung und Mastering: Beat Halberschmidt. Produktionsleitung: Marion Czogalla.
Projektleitung Vorbereitungsphase: Julian Kamphausen. Redaktion: Isabel Platthaus

Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks und des Norddeutschen Rundfunks 2004.
Gefördert durch die Filmstiftung NRW.

Songs
1. Lüge vs. Wahrheit
T: Ingo Graeser, Vivian Radosavljevic, Sabrina Biernat, Julia Hummer
M: Dirk Dresselhaus, Sabrina Biernat
Produziert & Gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing / Copyright Control
Julia Hummer published by Müller + Frank Musikverlag,
mit freundlicher Genehmigung von Strange Ways Records &
All Please Sound
2. Chicko
T: Ingo Graeser, M: Dirk Dresselhaus
Produziert & gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing / Copyright Control
3. Mein Leben
T: Vivian Radosavljevic
M: Dirk Dresselhaus
Produziert & gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing / Copyright Control
4. Chicko - Dub
T: Ingo Graeser, M: Dirk Dresselhaus
Produziert & gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing / Copyright Control
5. Mein Leben - Instrumental
M: Dirk Dresselhaus
Produziert & gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing

Videos
1. Video Lüge vs. Wahrheit von Niklas Goldbach.
Mit MV Egon, Rabo Kivio, Mogli, Sabrina,
Schneider TM und Julia Hummer und Moglis Hund Motte
2. Video Chicko-Dub von Niklas Goldbach.
Mit Aufnahmen aus der JSA Berlin in Berlin-Plötzensee und zwei Einstellungen aus der JVA Lichtenberg.

Artwork
Superschool
www.superschool.de

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English:


AN ACTION'S CHRONICLE
by Paul Plamper

It should concern us that an ever-increasing number of people live in ever more crowded prisons yet it seems to have become an accepted part of our system. So why shouldn't existence behind bars gain public and cultural recognition? RELEASE means publication but it also means liberation, deliverance, redemption. We want a radio play and songs to demonstrate what music and radio could potentially be: soundwaves, which create public awareness for something that happens behind closed walls.

2002. I have an idea for a documentary-style musical: Prisoners and musicians would work together on a song, which is created under, and so reflects, the situation of incarceration. With a radio play in mind I want - as a first step - only to document the process and then rely on the possibility of editing.

2003. Isabel Platthaus, editor at WDR/ 1- Live (a Cologne-based radio station), indeed has the courage to get involved in a project of which it is uncertain whether usable material will emerge. I prepare the project with my friend and colleague Julian Kamphausen. RELEASE takes one and a half years to get started, simply because we cannot find 'our' musician.

2004. Marion Czogalla, with whom I have already collaborated on HENRY SILBER, joins the project as a production manager and brings the musician Schneider TM to our attention. A first meeting with Schneider, who actually has a very busy schedule, but who immediately says: I simply have to do it. We find we are instantly on the same wavelength:

We don't want sensationalist "social porn". Instead we want to concentrate on musical collaboration with the prisoners. The focus is not on the music itself, more important is the content the songs are to convey. To get a song finished is the motto, because in the beginning we had the idea to do just one song. We don't know what to expect in prison, but are prepared to record everything for the radio play, including possible crises and breakdowns. If need be the radio play will tell the story of a failure.

May 2004. The administrations of the JVA Tegel (Tegel Prison), the Jugendstrafanstalt (Juvenile Detention Centre) JSA Berlin-Plötzensee and the JVA Lichtenberg (Women's Prison Lichtenberg) give their Okay, despite a shortage of staff. One problem is that this project takes away personnel from the day-to-day operation. For us and for the prisoners many doors will have to be locked and unlocked to get to the workspace. These and other last minute hurdles - such as certificates of our good conduct - are overcome thanks to helpful colleagues from the socio-therapeutic departments. One member of staff from the JSA for example tells us: "We depend on people from outside to initiate projects, to bring in fresh energy."

We are allowed to spread a flyer in the prisons to announce that we are looking for prisoners for our project: Dear Inmates! Who wants to work with us on a song? We are looking for someone who is interested in music or enjoys making music, who likes writing lyrics or who wants to learn how to write lyrics, and who would like to develop a melody for the lyrics, and also has an interest in singing. Musical skills such as reading notes or hitting the right tone are no basic requirement. It is simply about finding an expression, through music and lyrics, for the issues that concern you and you want to tell about or perhaps the things that burn in your soul that you want to give vent to. The musician and music producer Schneider TM will be working with you. His musical background stretches from rock to electronic music and he is known for the fusion of various styles. (…). If you are interested in participating or simply want to find out if this project has something to offer you, meet us for an initial talk!"

July 2004. We meet inmates of three prisons, introduce them to the idea and have talks to ascertain whether it seems plausible to work together. After our talks, Schneider wants to work with as many prisoners as possible and also produce a couple of songs. We come to the decision to work with four inmates in two prisons, because the logistical organisation would get too big if we had to deal with three prisons. Ingo and Rados from House 8 in the Juvenile Prison Berlin Plötzensee and Mogli and Sabrina from the JVA Lichtenberg are supposed to be working together on one song - without ever being in the same room.

August 2004. From now on we are messengers who commute between two prisons with digital data carriers. At each entrance we have to deposit our mobiles and ID cards, then we and our equipment are searched - since at each meeting we record a radio play and install a music studio and are therefore laden with technological equipment.

Except for this routine we barely get a glimpse into what the everyday routine of imprisonment consists of, because our project is well shut off from the routine operations. The insular situation that we - for a few hours - are allowed to create in the conference and rehearsal space at each meeting, soon makes clear to us that the radio play cannot justify the claim to tell about the prison routine in a comprehensive way - if only, because we cannot live through the dimension of time. The three or four hours we have on every occasion, from afternoon to evening, when no more visitors are allowed inside, always seem to be short, the good-bye is always hectic. Sometimes communication has to continue via fax, for example, in order to ask that a certain section be to be rehearsed at the next meeting.

September 2004. I assure all people involved of their right to have a say in the rough edit. Everybody forgets, ever the more often, to have put on the clip-on microphones and even during one of our last meetings the inmates ask: "Is it running, are you recording this?" During all meetings everything is being recorded.

That results in an enormous amount of sound material. By December we will have accumulated 60 gigabytes, which we have to condense to a 53-minute radio play. Marion pre-sorts the material. We realise that it is impossible for the audience to get to know all seven people involved. Therefore the first and most time-consuming editing step is to make Marion and myself disappear from the radio play.

Schneider creates the first beats according to the suggestions of the prisoners, makes a recording of the girls' instruments and Rados' human beat box. At this stage there are still a lot of lyrics in circulation, some are put onto tape, others discarded. It becomes clear that we want to produce four different songs, but the working process takes its time. A reason for that - among other things - is that Rados often gets locked in his cell as a result of squabbles with other prisoners and therefore can only rarely meet up with Ingo for writing and rehearsing.

October 2004. Schneider has to go on tour in Japan. In the meantime I record raps at the JSA Berlin to carry on our work. Mogli is released from Lichtenberg. That leads to Sabrina not showing up for the next couple of meetings. Rados and Ingo have an argument with one another. Since our objective is not to offer occupational therapy, but to get the songs finished, all the people involved struggle through. Schneider is back and prepares as much as he can at home. The fourth song "The Splint In My Foot" from Lichtenberg we discard because the released Mogli is not allowed to visit Sabrina in prison with us: it is considered a risk to security. Sabrina starts showing up a meetings again and Schneider works with her to incorporate the "Anarchy Lyrics" into "Lies vs. Truth". The jointly conceived song still lacks a chorus. The singer and actress Julia Hummer listens to the half-finished song in Schneider's studio, gets enthusiastic about it and raps to it, just for fun. Almost by accident she comes up with our chorus.

November 2004. Schneider has produced rough versions of the three songs and now works on the first mixes while searching sound samples of weapons with Rados and Ingo. The work on editing the radio play gets intense. Over the last couple of months the material has been condensed to three hours: our essence of what has been happening. It becomes increasingly unclear whether or not something bearable to listen to will come out of it. The musician Beat Halberschmidt with whom I have already worked on the radio plays TOP HIT and H2ODH, joins us. We try out several beginnings. The desire to tell everything paralyses us. We question whether this project can be accomplished at all. A date for broadcasting is scheduled. After listening to the rough version the editors at the radio station seem concerned. They suggest telling the story based on the songs. Finally we manage to produce a version which tells the story of the development of the songs and also reflects what was going on besides - a succinct spontaneous representation that is understandable and personal enough. We stick with this version.

December 2004. Meeting with Mogli who by this time lives with her dog Motte, a couple of cats, many little puppies and some other punks in Neukölln. We record her as the narrator of RELEASE. The radio play is ready. All the prisoners except for Sabrina listen to it. Some make use of their right to 'a say' and have things edited out. We cannot get hold of Sabrina who has been transferred to a "therapy-instead-of-punishment-institution" and has run away from there. We are concerned because she cannot now give her okay for the final version. The play is successfully broadcasted at WDR-1Live.

January 2005. The radio play gets another broadcast at WDR3. Rados gets released and leaves the city. Our next step is to publish the songs and the play. Lieblingslied Records show an interest. George Lindt wants to further develop the project through the publication. He suggests producing it as a double CD with additional material and to add a visual dimension by producing a video for "Lies vs. Truth".

February 2005. Sabrina is back in prison in Lichtenberg. We meet. She is happy about the play. More editing. The double CD offers the opportunity to publish important scenes that did not have a place in the play due to the time limits of a radio broadcast. We decide to leave the radio version as it is, but to add important fragments in the bonus material in an attempt to widen the horizons of RELEASE in various ways. Schneider produces a DUB-version of "Chicko" and asks video artist and filmmaker Niklas Goldbach who has previously made video clips for Schneider, if he would like to film our clip.

For doing the filming with Niklas, Rados has to return from Munich. We install a blue box at the office of Lieblingslied Records, at the JVA Lichtenberg and in House 8 in Plötzensee. All people involved are filmed on separate location, because that is the only possible way of doing it. In the finished video, all stand next to each other, presenting their collaborative song. The video gives everybody the opportunity to finally see the others: "I thought he would look completely different!" Up until now participants had only known each other by voice.

March 2005. Niklas Goldbach produces a second video, for the "Chicko"-DUB, with recordings from Plötzensee.

April 2005. Final check of the release by the prison administration. Unfortunately, we have to follow the legal requirement of the JSA Berlin: For the bonus material Ingo's face in the video and the voice of a prison guard have to be made unrecognisable.

May, 14th, 2005. RELEASE is the opening event of a monthly series called "DIE HÖRSPIELZENTRALE", organised by Marion and me in the HAU-Theater in Berlin. This event is also the record release party. Enjoy!

Berlin, 16th of April 2005.


TWO BERLIN PRISONS
by Kirsten Küppers

In the juvenile prison in Berlin-Plötzensee, 529 young men are incarcerated. They are of about 35 different nationalities, the Germans being the biggest group with 55 percent, followed by the Turks (11%) and the Lebanese (7%). The average age of the inmates is 21. 60 per cent are doing time for violent offences, from robbery and aggravated assault to rape and murder. About 60 to 70 inmates - according to the prison administration - are so called multiple offenders.

At their first day in prison the men receive blue uniforms that at the same time serve as a work gear. After 3 pm the prisoners are allowed to wear their own T-shirts and trousers. For recreational activities the prison offers - among other things - a chess group, a football club and anti-aggression training. The 9.5 square meter one man cells are equipped with a separate bathroom unit with sink and toilet. The prisoners themselves can lock them from the outside. The room is fitted out with a bed, a cupboard, a desk, a chair, a small shelf as well as a coat-rack. The inmates can bring along electric devices such as tape recorder, Walkman and radio. For a bit longer than a year now the institution has had its own website.

The Prison Plötzensee has existed for a long time. When in the mid-19th century an increasing number of people from all over of the country came to Berlin to look for work in the new factories, the city needed a new prison. In the years from 1848 to 1871 the population grew from 400 000 to 826 000. Last, but not least, the bad living conditions in the tenement buildings contributed to spreading criminal energy among the occupants. Gangs were formed, crime figures rose, the existing penal institutions were not sufficient. The Ministry of Justice under King Wilhelm I decided to build a new prison on the site of the Tegel forestry estate Plötzensee.

Inside, the new institution conditions were also cramped. The prisoners accommodated in shared cells with up to 40 others. There was also the so-called mask wing. The strictly isolated men were allowed to leave their cells only after putting on a facemask. They were supposed to remain anonymous to have no disadvantage in their later lives.

The prisoners spent their days in workshops where they produced paper plates, doors, brooms, carpet beaters and coir matting. Alongside school lessons, instructive lanternslide lectures and gymnastic exercise were offered, attendance was compulsory.

In 1887 the Plötzensee prison was chosen as the location for execution of the death penalty. Convicts with a death sentence were beheaded by an executioner with a hand axe. Especially during the Third Reich a lot of people who opposed the regime were murdered in Plötzensee - among them the members of "Rote Kappelle" and 89 members of resistance from the circle of the assassins of 20th July.

After the war the Allies decreed that the Plötzensee Prison become a juvenile detention centre. That didn't mean the staff had to learn new methods. The young inmates were kept the same way as the adults previously. They had to perform the most simple and unqualified work and were rented out as cheap labourers to private companies. They wove mats, glued paper bags and stamped metal. The prison staff were not allowed to have a private conversation with them. Because large sections of the institution couldn't be used due to war damage, conditions were very cramped. Up to three prisoners were confined in a single person cell and shared units sometimes had to accommodate 25 men. It didn't take long before criminal subcultures and an unpleasant enforcement structure had established themselves.

Only at the beginning of the Sixties the penal system in Plötzensee was reformed: efforts with educational and social groups were undertaken. The subcontracting of manpower was abolished in 1965. Since then there have been only apprenticeship workshops, school with special need courses and the opportunity to work towards a school-leaving certificate. The prison management came to the conclusion that only in a newly built establishment with bright, modern rooms a reasonable penal system can be possible. A nationwide architectural competition was announced and took its time. Lobbyists who objected to prisons on principle and wanted to abolish them, protested against the plan. As a matter of fact the new development was not ready to be occupied until 1987.

Today, a residential group in Plötzensee comprises 10 to 20 inmates. As a general rule the prisoners are accommodated in single bed cells. Each group is supervised by a social worker or psychologist and by prison officers. Together with each prisoner they work out a plan of action, which defines the main objectives of therapy and further vocational training and education. There are one-to-one interviews and group discussions, a debtor advisory service, computer courses etc. The cells are open open and unlocked from 6 am to 9 pm. Clubs, theatre groups, church events and student groups get invited on a regular basis to bridge the gap between inside and outside.

The prison administration reports that aggression among inmates, against staff and property have decreased since these and other measures, such as the possibility to ease restrictions on holidays and probationary time out, were introduced.

Still in existence are the parallel economies that are to be found in every prison, for example, the illicit trade with drugs and cigarettes and also the legal on-site business of an enterprising Berlin-based company that overcharges the prisoners for basic commodities.

Imprisonment for women is organised in a different way. Whereas in Berlin more than 5000 men are imprisoned, there are only about 220 female inmates. Prison psychologists say, while men direct their frustrations at their fellow prisoners, women are more likely to turn their violent impulses against themselves. They are more at risk from suicide, it is said.

Therefore, there is more liberty at the women's prison in Berlin-Lichtenberg than at the detention centres for men. The prison is not any more as it was when it was still a notorious Stasi prison. Then, the inmates were crowded into narrow cells and hassled by unpleasant guards and the food tasted awful. A former inmate recounts: "Especially the cabbage soup which was on the menu every Monday was unpopular with everyone. The flavour reminded of a damp washing up cloth that had been kept over a long period of time. Another unpleasant dish was "Tote Oma" (Dead Granny), black pudding mixed with large amounts of water to a spinach-like sauce."

Today, Lichtenberg is considered a particular progressive facility. All 230 inmates live in residential groups, where they can move about freely, cook or watch TV. The single cells remain open, only the residential unit gets locked. It is not customary to permanently control the prisoners. For women with a drug addiction there even is a syringe machine on the corridor.

But nevertheless there was an outbreak of violence at the beginning of last year. Four women beat a 20 year old with an electric cable; her head was shaved and she was forced to drink urine.

"That won't happen again", hopes the Head of the Lichtenberg Prison. "We have taken measures to increase social control among the women."


THE SONG LYRICS

LIES vs. TRUTH

MV EGON:
I enjoy lying, it makes my eyes sparkle
I lie far too often, it's my addiction, it is what drugs are to others
That is why it is written across my T-shirt: "I have lied"
I've cheated on many women, lied from morning 'til night
I've broken many women's hearts
I've never tried to pull thoughts about lying out of my head
Rather laughed about it.
Lying to me is like an unknown power
It has always worked for me
So far it hasn't failed me
Not even the lie detector has managed
To uncover my lies and bring the truth to light
Little Egon has always turned a lie into truth
To spread it among the people everyday -
Always successfully, of course
Otherwise it wouldn't make sense.
People would say I am crazy
But no way, my lies are already melding with your brain cells
My lies are also cruel
Without hesitation they infiltrate your thoughts.

RABO KIVIO:
No way
Your lies are leaky like a sieve
And deluding like a hallucinogenic trip
As a matter of principle I give everyone good advice
With me you won't succeed
At most you managed to succeed once
After that you bang your head against a brick wall.
So leave the shit, because I am not into politics

Without diversion I tell the truth
Because it screams out from my heart
It still stands when everything is gone, nothing remains
And life dictates the lyrics
It has freed me from the dark
And taught me a lesson
Now I am prepared for every struggle

You cannot pull wool over my eyes,
I am not one who doesn't feel the truth
Because they cheat or lie too often and don't look for it
Because they cannot bear the truth
I wasn't always honest
Therefore I won't complain
I put my cards on the table
I am systematically
Allergic to lies
As to three week old fish

JULIA:
Lies have short legs
Hey little Egon, check yours
You are rapping as if in a devils delusion
Your lies don't get anywhere with me

MV EGON
I listened to your lyrics and died laughing
In your shoes I would have already killed myself
Open your eyes
Your are stuck in your make-believe world
These days the whole contemporary generation is based on lies
No matter where. No matter when.
Everything we see, nowhere is a piece of truth to be found
That is also the reason why little Egon raps as in a devils delusion

JULIA:
Lies have short legs
Hey little Egon, check yours
You are rapping as if in a devils delusion
Your lies don't get anywhere with me

Your lies don't get anywhere with me
I wouldn't be able to relax any more
would then be like all the others
I wonder why you don't miss a thing
Check out what it would be like to be truthful

Lies have short legs
Hey little Egon, check yours
You are rapping as if in a devils delusion
Your lies don't get anywhere with me
And now listen to this:

SABRINA:
I am what I am, living my own anarchy
I am what I am, I don't live like them
I just want to be human, a person, not a "celebrity"
With a false grin among a crowd
Leave me air to breathe
Let me live, after all
Leave my me to myself
Your masks are ablaze
I can see them burn
There beneath only dead faces
Which stand in a void
Where is your head, where is your heart?
You have to get cracking before it freezes to death

JULIA:
Lies have short legs
Hey little Egon, check yours
You are rapping as if in a devils delusion
Your lies don't get anywhere with me

Wouldn't be able to relax any more
I would be like all the others
I don't understand why you don't miss a thing
Check out what it would be like to be truthful

CHICKO

MV EGON:
In the morning I get up, wash my face
Look in the mirror, that ain't me
Chickos time is over
He comes to me and says "Get going"
I don't quite get it
Ask him like every morning: "Have you put the coffee on?"
He says: "No, I now leave you to yourself"
His 14 months has gone by for us in no time
We will meet again, the world is a small place
Don't fuck up on the outside, don't come back in
First take a holiday in the sun
Outside it happens, the life that is worth living
That you have to understand, even if things sometimes go wrong
Then you just have to grit your teeth even a bit more
I believe in you, and not only me
Many others also wish that you, Chicko do without drugs,
That you go straight and give a fuck about every bad influence
You come from the MV (Märkisches Viertel, a gritty neighbourhood)
I know myself how hard it is to get something started there
You have the feeling that everyone wants to steal from you
Everyone only thinks of themselves there
Do your own thing, Chicko, I believe in you
And keep your hands off drugs, drugs are false
Your back gets bent by them
Feels betrayed by mankind, drawn down
Chicko, I believe in you and not only me
The other freaks here, too

Kwitschie, his philosophy
In the end always turned out to be a therapy
Wagner, out of it, but always on it
Who knows, maybe he will turn out to be a narc
Peske, he wears a bullet-proof vest
that is also why he always gave us a hard time
To you, Chicko, only the best

You were a painter and decorated my cell
As a 'thank you' I tattooed Chicko onto your arm
Together we have scribbled our names
On the prison wall
The time with you has shown me
For you, my brother I go out of my way
Even further than infinity
Everyone needs to know
This song should not be dissed
The lines come from the heart,
Describing painful times
No need to joke about our suffering
We fought for each other as if our life depended on it
We knew very well that nothing comes for free
Simply blew our problems out of the way
Now we are ready to sink our former lives
The hours behind bars gave us time to consider
To finally understand that we can also make it
Because we, Chicko and Little Egon, exist
Kwitschie, his philosophy
In the end always turned out to be a therapy
Wagner, out of it, but always on it
Who knows, maybe he will turn out to be a narc
Peske, he wears a bullet-proof vest
That is also why he always gave us a hard time
To you, Chicko, only the best


MY LIFE
Translated from Serbo-Croatian by Rabo Kivio

Rabo Kivio:
Awake and hungry for real life, I looked at the world from 5 until 7. I know why I am where I am. I was my own biggest enemy. I am very likeable, but even more dangerous, less to myself, but to others. Like a bullet from a gun I am deadly for anyone who has incensed me enough. I am not the only one who warns you, I am not even someone, who "salts" your mind or thinks that your concern will enrich me. Years fly by at a rapid pace when you are happy, while you are happy, as long as you feel confident about your fortune and your life is all right. I give you something to think about. I no longer live my life as if it was a dream and as if every day was the last but one. A bit late, but at least I see everything now and remember how it used to be. Never pleasant, just bitterness, when something adverse entraps you while you are young and keeps you captive until old age or death.

To these words listen well, and remember them if you don't want to atone for it. These are important statements.

A red sky, like my eyes, after I have spent 23 hours getting drunk and intoxicated. For this reason I have destroyed my whole future almost entirely. I have been angry with the entire world since I turned 5. In prison I have come to my senses. I landed in prison because I have not been listening to my father: I was born in Germany in the city of Berlin, but I grew up in our country in a beautiful and tranquil village. There I went to school, I was a brilliant student. Now I reproach myself for having returned to the place of my birth. Here I got into the biggest trouble of my life; I had the greatest opportunities, but haven't accomplished a thing. I have fled from reality hiding in a dream world. School I ignored. I got out of it all day long and fell out with my family. I lost my fortune and wasted what should have been the most important, most beautiful time of my life.
Everything got even worse after the poison changed me. I started to lie and badmouth non-stop, to beat up others, spend money without care, I bought booze and weed in ever larger amounts. I stole everything I liked, even though I didn't need to, because I had enough 'dough' or didn't even need the things. There was more to come. I also started using other drugs, did illegal things and went astray, until I returned back to reality. Oh, it's incredible, how I deceived myself. I spent too much time holding on, but luckily I have not lost everything, haven't given myself up. I am young and now I am on the right side, I am not too stupid to realise. That is why I escape from misery.

To these words listen well, and remember them if you don't want to atone for it. These are important statements.

A heart full of strength, it is not too late for me. The time has come to show each and every one of you, that what I say is true. I saved myself, by throwing the poisonous dangerous habit away like a deadly snake and letting go of its tail just in time.
I have taught myself to take care, now I am on the right track. I work with the company, creating no hassle, but music and earn good money. I don't fuck around, instead I let you know that I want to survive and therefore won't forget, even though I don't like my own story. I pray to God, however I remember and pay for everything. You can learn from me. I keep on struggling, even when I bleed and burn, or don't see the way out. I look for it until I find it. I can neither judge you or give you reason. I can only warn you because I am telling the truth.

To these words listen well, and remember them if you don't want to atone for it. These are important statements.

Life continues and each one looks after oneself only, however, it is difficult to leave misery behind when you are left alone.