|
CHRONIK EINER AKTION
von Paul Plamper
Uns muss interessieren, dass immer mehr Mitmenschen in immer
überfüllteren Gefängnissen leben. Das scheint
tolerierter Teil unseres Systems geworden zu sein. Warum soll
das Dasein hinter Gittern nicht auch öffentliche und
kulturelle Bedeutung bekommen? RELEASE heißt Veröffentlichung.
Aber auch Befreiung, Erleichterung, Erlösung. Hörspiel
und Songs sollen zeigen, was Musik und Radio vielleicht sein
könnten: Schallwellen, die Öffentlichkeit schaffen
für das, was hinter Mauern passiert.
2002. Mir kommt die Idee zu einer Art Doku-Musical: Gefangene
und Musiker sollen im Gefängnis zusammen an einem Song
arbeiten, der aus und unter den Bedingungen der Haft entsteht.
Für ein Hörspiel will ich den Arbeitsprozess lediglich
dokumentieren und mich dabei auf die Möglichkeiten des
Schnitts verlassen.
2003. Isabel Platthaus, Redakteurin bei WDR/1-Live, hat tatsächlich
den Mut, sich auf ein Projekt einzulassen, von dem unklar
ist, ob dabei überhaupt verwendbares Material herauskommen
wird. Vorbereitungszeit mit meinem Freund und Kollegen Julian
Kamphausen. Der Anfang der Aktion RELEASE zieht sich anderthalb
Jahre in die Länge, weil wir unsere(n) MusikerIn einfach
nicht finden.
Frühjahr 2004. Marion Czogalla, mit der ich bereits
bei HENRY SILBER zusammengearbeitet habe, steigt als Produktionsleiterin
in das Projekt ein und bringt den Musiker Schneider TM ins
Spiel. Treffen mit Schneider, der eigentlich keine Zeit hat,
aber als erstes sagt: "Ich muss das einfach machen."
Wir sind sofort auf einer Wellenlänge: Wir wollen keinen
"Sozialporno", sondern uns auf die musikalische
Zusammenarbeit mit den Gefangenen konzentrieren. Dabei geht
es nicht um musikalisches Profitum, sondern um Inhalte, die
in den Song sollen. Diesen fertig kriegen ist die Devise,
denn zunächst ist nur ein Song geplant. Wir wissen nicht,
was uns im Gefängnis erwartet, planen aber, alles für
das Hörspiel mitzuschneiden, also auch eventuelle Krisen
oder Zusammenbrüche. Notfalls wird das Hörspiel
die Geschichte eines Scheiterns erzählen.
Mai 2004. Aus den Gefängnissen JVA Tegel, Jugendstrafanstalt
Berlin in Berlin-Plötzensee und JVA Lichtenberg kommt
das OK von oben, trotz Personalknappheit. Denn ein Problem
ist, dass dieses Projekt Personal aus dem laufenden Betrieb
abzieht. Uns und den Gefangenen müssen auf dem Weg vom
und zum Arbeitsraum viele Türen auf- und zugeschlossen
werden. Diese und letzte Hürden wie polizeiliches Führungszeugnis
werden Dank der hilfsbereiten Kollegen der sozialtherapeutischen
Abteilungen genommen. Zum Beispiel sagt uns ein Mitarbeiter
aus der JSA Berlin: "Wir sind darauf angewiesen, dass
Leute von draußen hier Projekte machen und neue Energie
mit herein bringen."
Wir dürfen einen Flyer in den Gefängnissen publik
machen, mit dem wir Gefangene für unser Projekt suchen:
"Liebe Gefangene! Wer will mit uns an einem Song arbeiten?
Wir suchen jemand, der an Musik interessiert ist oder gerne
Musik macht, der gerne selber Texte schreibt oder einen Songtext
schreiben lernen will, der für seinen Songtext eine Melodie
entwickeln möchte und der seinen Song auch selber singen
will. Musikalische Fähigkeiten wie Notenlesen oder Töne
treffen sind keine Grundvoraussetzung. Es geht einfach darum,
durch Text und Musik einen Ausdruck für die Dinge zu
suchen, die Dir auf der Seele brennen und die Du zu sagen
hast. Mit Dir zusammenarbeiten wird der Musiker und Musikproduzent
Schneider TM. Schneider TMs musikalischer Horizont reicht
von Rock bis Elektronik und er ist für die Fusion verschiedenster
Stilrichtungen bekannt. (...) Falls Du Interesse hast mitzumachen,
oder dich einfach noch näher zu informieren, ob diese
Aktion etwas für Dich sein könnte, dann triff uns
doch zu einem ersten Gespräch!"
Juli 2004. Wir treffen Gefangene in den drei Gefängnissen,
stellen ihnen die Idee vor und führen Gespräche,
ob man miteinander arbeiten will und kann. Daraufhin will
Schneider mit so vielen Gefangenen wie möglich arbeiten
und versuchen, mehrere Songs zu schaffen. Es folgt die Entscheidung,
mit vier Gefangenen in zwei Gefängnissen zu arbeiten,
weil bei drei Gefängnissen der organisatorische Aufwand
zu groß werden würde. Ingo und Rados in Haus 8
der JSA-Berlin in Berlin-Plötzensee, sowie Mogli und
Sabrina in der JVA Lichtenberg sollen gemeinsam an einem Song
arbeiten, ohne jemals zusammen im gleichen Raum sein zu können.
August 2004. Ab jetzt sind wir die Boten, die mit digitalen
Datenträgern zwischen zwei Gefängnissen hin- und
herpendeln. Am Einlass jeweils Abgabe von Handy und Personalausweis,
Bodycheck und Equipmentcheck, denn wir bauen für jedes
Treffen ein Hörspielstudio und ein Musikstudio auf und
sind beladen mit Technik.
Außer beim Hereinkommen haben wir kaum Einblick in
das, was Gefängnis und Haft im Alltag wohl ausmacht,
weil unser Projekt abgeschottet vom Routinebetrieb läuft.
In dieser Inselsituation, die wir bei jedem Treffen im Konferenzzimmer
und Bandübungsraum für einige Stunden herstellen
dürfen, wird sehr schnell klar, dass das Hörspiel
nicht den Anspruch haben kann, umfassend vom Gefängnisalltag
zu erzählen. Schon allein, weil wir den Faktor Zeit nicht
erleben. Die drei bis vier Stunden, die wir jeweils vom Nachmittag
bis zum Abend haben, wenn keine Besucher mehr im Gefängnis
sein dürfen, kommen uns jedes Mal zu kurz vor, die Abschiede
sind immer hektisch. Manchmal muss per Fax weiterkommuniziert
werden, zum Beispiel gebeten werden, etwas Bestimmtes bis
zum nächsten mal zu üben.
September 2004. Ich sichere den Beteiligten Mitspracherecht
bei der Rohfassung des Schnitts zu. Die Ansteckmikrofone werden
von allen zunehmend vergessen und die Gefangen fragen sogar
noch bei einem der letzten Treffen: "Läuft es noch,
nimmst du das gerade auf?" Während aller Treffen
läuft die Aufnahme von der ersten bis zur letzten Minute.
Daraus resultiert enorm viel Tonmaterial. Bis Dezember werden
wir 60 Gigabyte angesammelt haben, die wir auf 53 Minuten
Hörspiel herunterkürzen müssen. Marion sortiert
das Material vor. Wir stellen fest, dass richtiges Kennenlernen
von insgesamt sieben Personen für den Hörer unmöglich
sein wird. So ist die erste und aufwendigste Schnittarbeit,
das Verschwinden von Marion und mir aus dem Hörspiel
zu inszenieren.
Schneider macht erste Beats nach den Wünschen der Gefangenen,
nimmt Instrumente von den Mädchen auf und Human Beatbox
von Rados. Noch sind viele Song-Texte im Umlauf, manche werden
eingerappt, dann wieder verworfen. Es kristallisiert sich
heraus, dass wir vier Songs machen wollen, aber der Arbeitsprozess
zieht sich in die Länge. Unter anderem hat Rados wegen
Auseinandersetzungen mit anderen Gefangenen öfters "Einschluss"
(d.h. keine Teilnahme an Freizeitaktivitäten) und kann
sich kaum mit Ingo zum Schreiben oder Üben treffen.
Oktober 2004. Schneider muss auf Tour nach Japan. Ich nehme
währenddessen Raps in der JSA Berlin auf, damit wir weiterkommen.
In Lichtenberg wird Mogli entlassen, woraufhin Sabrina ein
paar Treffen nicht erscheint. Rados und Ingo streiten sich.
Da unser Ziel nicht Beschäftigungstherapie ist, sondern
das Fertigkriegen der Songs, beißen sich alle Beteiligten
durch. Schneider ist zurück und tut sein Möglichstes
zuhause. Der vierte Song "Die Schiene in meinem Fuß"
in Lichtenberg wird verworfen, weil die freigelassene Mogli
mit uns nicht zu Sabrina ins Gefängnis kommen darf, Sicherheitsrisiko.
Sabrina kommt wieder zu den Treffen und Schneider arbeitet
mit ihr den "Anarchie-Text" in "Lüge vs.
Wahrheit" ein. Aber für den gemeinsamen Song fehlt
immer noch ein Refrain. Die Sängerin und Schauspielerin
Julia Hummer hört den halbfertigen Song bei Schneider
im Studio, ist davon begeistert und versucht spaßeshalber
dazu zu rappen. Zufällig schüttelt sie dabei unseren
Refrain aus dem Ärmel.
November 2004. Schneider hat die drei Songs im Wesentlichen
fertig produziert, sucht mit Ingo und Rados noch Waffensounds
und macht erste Mixe. Die Arbeit am Schnitt des Hörspiels
geht in die heiße Phase. DasMaterial wurde in monatelanger
Arbeit auf ca. drei Stunden heruntergedampft. Unsere Essenz
dessen, was passiert ist. Es wird immer unklarer, ob daraus
ein hörbares Hörspiel werden kann. Der Musiker Beat
Halberschmidt, mit dem ich bereits die Hörspiele TOP
HIT... und H2ODH geschnitten habe, stößt dazu.
Wir versuchen unzählige Anfänge. Der Anspruch, alles
erzählen zu wollen, was passiert ist, lähmt uns.
Wir fragen uns, ob das alles überhaupt geht. Der Ursendungstermin
steht. Nach Hören der ersten Schnittversuche zeigt sich
die Redaktion besorgt. Es kommt der Anstoß, von der
Musik aus zu erzählen. Schließlich gelingt Beat
und mir in zwei Stunden plötzlich ein Schnitt, der die
Geschichte der Songs erzählt und dabei alle anderen Vorkommnisse
streift. Eine Art schneller Wurf, der uns leicht erscheint
und der persönlich ist. Bei dieser Schnittversion bleiben
wir.
Dezember 2004. Treffen mit Mogli, die mittlerweile mit ihrem
Hund Motte, einigen Katzen, vielen kleinen Hundewelpen und
anderen Punkern in Neukölln lebt und die Moderationen
spricht. Das Hörspiel ist fertig. Alle Gefangenen bis
auf Sabrina hören es. Manche nehmen ihr Mitspracherecht
wahr und lassen etwas herausschneiden. Wir können Sabrina
nicht mehr erreichen, die plötzlich in eine Therapie-statt-Strafe-Einrichtung
verlegt wurde und aus ihr verschwunden ist. Wir sind beunruhigt,
auch weil sie den Schnitt nicht abnehmen kann. Das Hörspiel
läuft erfolgreich im Radio bei WDR-1Live.
Januar 2005. Das Hörspiel läuft im WDR 3. Rados
kommt frei und verlässt die Stadt. Unser nächster
Schritt ist die "Release" der Songs und des Hörspiels.
Lieblingslied Records zeigt sich interessiert. George Lindt
will mit der Veröffentlichung eine Weiterentwicklung
des Projekts versuchen. Er schlägt vor, alles als Doppel-CD
mit Bonusmaterial herauszubringen und um die visuelle Ebene
mit einem "Lüge vs. Wahrheit"-Video zu bereichern.
Februar 2005. Sabrina ist wieder im Gefängnis in Lichtenberg.
Wir treffen sie. Sie freut sich über das Hörspiel.
Wieder Schnitt. Die Doppel-CD bedeutet die Möglichkeit,
wichtige Szenen, die aus Zeitgründen nicht ins Hörspiel
passten, zu veröffentlichen. Wir entscheiden, das Hörspiel
so zu belassen, aber die CD mit dem Bonusmaterial um Fragmente
zu ergänzen, die den RELEASE-Kosmos in unterschiedliche
Richtungen erweitern sollen. Schneider macht eine DUB-Version
von Chicko und fragt den Videokünstler und Filmemacher
Niklas Goldbach, der bereits Schneider TM-Videos gemacht hat,
ob er unser Video drehen kann.
Rados kommt für den Videodreh mit Niklas aus München
angereist. Wir bauen im Büro von Lieblingslied Records,
in der JVA Lichtenberg und im Haus 8 in Plötzensee eine
Bluebox auf. Alle Beteiligten werden an den unterschiedlichen
Orten separat aufgenommen, weil es nicht anders geht. Im fertigen
Video stehen alle nebeneinander, präsentieren den gemeinsamen
Song. Das Video bedeutet für die Beteiligten die Möglichkeit,
die Kollegen endlich auch zu sehen: "Den hab ich mir
ja ganz anders vorgestellt!" Bisher kannte man einander
ja nur als Stimme.
März 2005. Niklas Goldbach produziert ein zweites Video
mit Aufnahmen aus Plötzensee zum Chicko-DUB.
April 2005. "Abnahme" dieser Veröffentlichung
durch die Haftanstalten. Leider müssen wir die Auflagen
der JSA Berlin befolgen und Ingos Gesicht im Video, sowie
die Stimme eines Gruppenbetreuers im Hörspielbonusmaterial
unkenntlich machen.
Mai 2005. RELEASE ist die Eröffnungsveranstaltung von
DIE HÖRSPIELZENTRALE, einer monatlichen Reihe von Marion
und mir im Berliner HAU-Theater. Zugleich ist der 14. Mai
die Record Release Party dieser Doppel-CD.
Viel Spaß damit.
Berlin, den 16.4.2005
PS: UK = Urinkontrolle. MV = Märkisches Viertel.
ZWEI BERLINER GEFÄNGNISSE
von Kirsten Küppers
In der Jugendstrafanstalt Berlin in Berlin-Plötzensee
sitzen 529 junge Männer ein. Sie gehören ca. 35
verschiedenen Nationalitäten an, die Deutschen bilden
mit rund 55 Prozent die größte Gruppe, gefolgt
von den Türken (11 Prozent) und den Libanesen (7 Prozent).
Der Altersdurchschnitt der Gefangenen liegt bei 21 Jahren.
60 Prozent von ihnen sitzen wegen Gewaltdelikten, vom Raub
über schwere Körperverletzung bis hin zu Vergewaltigung
und Mord. Rund 60 bis 70 Insassen gehören laut Anstaltsleitung
zur Gruppe der so genannten jugendlichen Mehrfach- oder Intensivtäter.
Am ersten Tag im Gefängnis erhalten die Männer
blaue Anstaltskleidung. Sie dient gleichzeitig als Arbeitskleidung.
Nachmittags nach 15 Uhr dürfen die Gefangenen eigene
T-Shirts und Hosen anziehen. Für die Freizeitgestaltung
gibt es im Gefängnis unter anderen Möglichkeiten
eine Schachgruppe, eine Fußball-AG und Anti-Aggressionstraining.
Die 9,50 qm großen Einzelhafträume sind mit einer
abgetrennten Nasszelle mit WC und Waschgelegenheit ausgestattet
und können von den Insassen selbst von außen abgeschlossen
werden. Im Haftraum befinden sich ein Bett, ein Schrank, ein
Schreibtisch, ein Stuhl, ein kleines Regal sowie eine Garderobenleiste.
Elektrische Geräte wie Kassettenrekorder, Walkman und
Radio dürfen die Gefangenen in die Anstalt mitbringen.
Seit gut einem Jahr verfügt die Anstalt auch über
eine eigene Internetseite.
Das Gefängnis Plötzensee gibt es schon lange. Als
Mitte des 19. Jahrhunderts immer mehr Menschen aus allen Teilen
des Landes nach Berlin kamen, um in den neuen Fabriken nach
Arbeit zu suchen, brauchte die Stadt ein neues Gefängnis.
Die Bevölkerung wuchs allein in den Jahren zwischen 1848
und 1871 von 400.000 auf 826.000. Nicht zuletzt die schlechten
Lebensbedingungen in den Mietskasernen sorgten dafür,
dass sich kriminelle Energie unter den Bewohnern ausbreitete.
Banden organisierten sich, die Zahl der Verbrechen stieg.
Die vorhandenen Strafanstalten reichten nicht aus. Das königliche
Justizministerium unter Wilhelm I. beschloss, ein neues Gefängnis
für rund 1.400 Straftäter auf dem Gelände der
Oberförsterei Tegel, Gutsbezirk Plötzensee, zu bauen.
Auch in der neuen Anstalt war es eng. Die Gefangenen wurden
in Gemeinschaftszellen mit bis zu 40 Insassen untergebracht.
Es gab aber auch den so genannten Maskenflügel. Hier
durften die streng isolierten Männer ihre Zellen nur
nach Anlegen einer Gesichtsmaske verlassen. Sie sollten nicht
zu erkennen sein, um im späteren Leben keine Nachteile
zu haben.
Ansonsten verbrachten die Häftlinge ihre Tage in den
Werkstätten, wo sie Pappteller, Türen, Besen, Teppichklopfer,
Rohr- oder Kokosmatten herstellten. Daneben wurden Schulunterricht,
belehrende Lichtbildervorträge und Turnübungen angeboten,
die Teilnahme war Pflicht.
1887 wurde die Strafanstalt Plötzensee als Ort für
die Vollstreckung der Todesstrafe ausgesucht. Zur Todesstrafe
Verurteilte wurden durch einen Scharfrichter mit dem Handbeil
hingerichtet. Besonders im Dritten Reich wurden viele dem
Regime unbequeme Menschen in Plötzensee umgebracht, darunter
die Mitglieder der "Roten Kapelle" und auch 89 Widerstandskämpfer
aus dem Kreis der Attentäter vom 20. Juli.
Nach dem Krieg bestimmten die Alliierten das Gefängnis
Plötzensee zur Jugendstrafanstalt. Neue Methoden musste
das Personal deswegen nicht lernen. Die jungen Insassen wurden
genauso verwahrt wie vorher die erwachsenen Häftlinge.
Sie mussten einfachste und unqualifizierte Arbeiten verrichten
und wurden als billige Arbeitskräfte an Privatfirmen
verliehen. Sie flochten Fußmatten, klebten Tüten
und stanzten Metall. Dem Gefängnispersonal war es verboten,
private Gespräche mit ihnen zu führen. Weil große
Teile der Anstalt wegen der Kriegsschäden nicht benutzt
werden konnten, waren die Verhältnisse zudem sehr beengt.
Gefangene wurden zu dritt in Einzelzellen zusammengepfercht,
Gemeinschaftszellen waren mit bis zu 25 Männern belegt.
Es dauerte nicht lange bis sich kriminelle Subkulturen und
ein unangenehmes Kapo-System ausbildeten.
Erst zu Beginn der 60er Jahre änderte sich der Strafvollzug
in Plötzensee: Versuche mit Erziehungs- und Wohngruppen
wurden unternommen. Die Arbeitskräftevermietung wurde
1965 abgeschafft. Seither gibt es in der Anstalt ausschließlich
Ausbildungsbetriebe, Schulunterricht mit Förderkursen
sowie die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nachzuholen.
Bei der Gefängnisleitung entstand die Überzeugung,
dass nur in einer neu erbauten Anstalt mit modernen, hellen
Räumen ein sinnvoller Strafvollzug möglich wäre.
Ein bundesweit ausgeschriebener Architektenwettbewerb zog
sich dann aber in die Länge. Interessengruppen, die Gefängnisse
grundsätzlich ablehnten und abschaffen wollten, protestierten
gegen das Vorhaben. Immer wieder stockten die Planungen. Tatsächlich
konnte der Neubau erst 1987 bezogen werden.
Heute umfasst eine Wohngruppe in Plötzensee zwischen
10 und 20 Insassen. Die Gefangenen sind in der Regel in Einzelhafträumen
untergebracht. Jede Gruppe wird von einem Sozialarbeiter oder
Psychologen und von Vollzugsbeamten betreut. Gemeinsam mit
jedem Häftling erstellen sie einen Vollzugsplan. In diesem
werden die wesentlichen Ziele für die Behandlung, Aus-
und Fortbildung vorgegeben. Es gibt Einzel- und Gruppengespräche,
Schuldnerberatung, Computerkurse usw. Die Hafträume sind
von 6 bis 21 Uhr geöffnet. Immer wieder werden Vereine,
Theatergruppen, kirchliche Veranstaltungen und Studentengruppen
in die Anstalt geholt, um die Kluft zwischen draußen
und drinnen zu verringern.
Die Anstaltsleitung sagt, seit Einführung dieser Maßnahmen
sowie durch die Möglichkeit, Lockerungen wie Urlaub,
Ausgang und Freigang zu gewähren, hätten Aggressionen
unter den Insassen, gegen Bedienstete und gegen Sachen abgenommen.
Überdauert haben die Parallelökonomien, die in jedem
Knast funktionieren. Dazu gehören der verbotene Handel
mit Drogen und Zigaretten. Und der legale Betrieb jener geschäftstüchtigen
Berliner Firma, die den Gefangenen im Supermarkt auf dem Gelände
Waren des täglichen Bedarfs zu überteuerten Preisen
anbietet.
Der Vollzug ist bei den Frauen anders organisiert als im
Männergefängnis. Während in Berlin mehr als
5.000 Männer als Gefangene einsitzen, gibt es nur etwa
220 weibliche Häftlinge. Gefängnispsychologen sagen,
dass während Männer in Frustrationssituationen auf
Mitgefangene losgehen, richteten Frauen Gewalt eher gegen
sich selbst. Sie seien eher selbstmordgefährdet, heißt
es.
Im Frauengefängnis Berlin-Lichtenberg gibt es daher mehr
Freiheiten als in den Männergefängnissen der Stadt.
Es ist nicht mehr so wie es einmal war, als Lichtenberg noch
ein berüchtigtes Stasi-Gefängnis war. Als die Häftlinge
sich in schmalen Zellen drängelten, von unangenehmen
Schließern drangsaliert wurden und das Essen schlecht
schmeckte. So wie ein ehemaliger Häftling erzählt:
"Besonders die Krautsuppe, die es jeden Montag gab, war
allerseits unbeliebt. Der Geschmack erinnerte an einen längere
Zeit feucht gelagerten Abwaschlappen. Unerfreulich war auch
"tote Oma", Blutwurst, die mit größeren
Mengen Wasser zu einer spinatähnlichen Soße verrührt
war."
Lichtenberg gilt heute als besonders fortschrittliche Einrichtung.
Alle 230 Frauen sind in Wohngruppen untergebracht, können
sich dort frei bewegen, in der Küche Essen kochen oder
fernsehen. Die einzelnen Zellen sind nicht abgeschlossen,
nur der gesamte Wohnkomplex. Es ist auch nicht üblich,
die Gefangenen unentwegt zu kontrollieren. Für drogenabhängige
Frauen gibt es sogar einen Spritzenautomaten auf dem Flur.
Aber Anfang vergangenen Jahres hat es auch hier Gewalt gegeben.
Eine 20-Jährige wurde von vier anderen inhaftierten Frauen
mit einem Elektrokabel geprügelt, kahl rasiert und gezwungen,
Urin zu trinken.
"Das wird nicht wieder vorkommen", hofft der Lichtenberger
Gefängnisdirektor. "Wir haben Maßnahmen ergriffen,
um die soziale Kontrolle der Frauen untereinander zu verstärken."
DIE SONGTEXTE
LÜGE vs. WAHRHEIT
MV EGON:
Ich lüge gerne, bekomm davon in den Augen große
Sterne.
Lüge viel zu oft, das ist meine Sucht, wie für andere
Drogen.
So steht auf meim T-Shirt geschrieben: "Ich habe gelogen".
Habe viele Frauen betrogen, von morgens bis abends belogen,
hab den Frauen das Herz verschoben.
Habe mir nie Gedanken darüber aus dem Kopf gezogen,
vielmehr darüber gelacht.
Das Lügen ist für mich wie eine unbekannte Macht.
Es brachte mich bis jetzt immer weiter.
Es ist noch nicht vorgekommen, dass ich daran gescheitert.
Nicht mal der Lügendetektor hat es geschafft,
meine Lügen aufzudecken und die Wahrheit ans Licht gebracht.
Klein Egon hat schon immer eine Lüge zur Wahrheit gemacht.
Bringte sie jeden Tag unter's Volk. Na klar!
Sowieso, mit Erfolg, sonst hätt es ja keinen Sinn.
Und die Leute würden sagen ich spinn,
aber nein, meine Lügen sind schon dabei
sich mit deinen Gehirnzellen zu vereinen.
Meine Lügen sind auch gemein.
Ohne zu zögern dringen sie in deine Gedanken hinein.
RABO KIVIO:
Das glaub' ich nicht.
Deine Lügen sind undicht wie ein Sieb
und täuschend wie ein halluzinogener Trip.
Ich gebe jedem aus Prinzip einen guten Tipp,
bei mir hat man keinen Erfolg damit.
Man schafft höchstens einmal einen Hit
und beißt danach stets auf Granit.
Also lass den Shit, denn ich steh nicht auf Politik.
Ich sage ohne Umwege die Wahrheit,
weil sie aus meinem Herzen herausschreit,
sie steht noch, wenn nichts mehr bleibt
und das Leben die Texte schreibt.
Sie hat mich aus der Dunkelheit befreit
und mir eine Lektion erteilt.
Jetzt bin ich bereit für jeden Fight.
Mich schaffst du nicht hinters Licht zu führen.
Ich gehör nicht zu den Leuten, die die Wahrheit nicht
spüren,
Weil sie zu oft betrügen oder lügen und nicht nach
ihr fragen,
weil sie die Wahrheit nicht ertragen.
Ich war nicht immer ehrlich,
darum beschwer ich mich nicht,
sondern leg die Karten offen auf den Tisch.
Ich bin systematisch
gegen Lügen allergisch
wie gegen drei Wochen alten Fisch.
JULIA:
Lügen haben kurze Beine
Hey, klein Egon, check mal deine.
Du rappst wie im Teufelswahn? Aha.
Deine Lügen komm bei mir nicht an.
MV EGON:
Hab den Text gehört und mich totgelacht.
An deiner Stelle hätt ich mich schon umgebracht.
Mach mal deine Augen auf.
Du sitzt auf deiner Traumwelt drauf.
Die ganze Generation heutzutage ist mit Lügen aufgebaut.
Egal wo. Egal wann.
Alles was wir sehen. Nirgendwo ist noch ein Stück
Wahrheit dran.
Das ist auch der Grund warum klein Egon rappt
wie im Teufelswahn.
JULIA:
Lügen haben kurze Beine
Hey, klein Egon, check mal deine.
Du rappst wie im Teufelswahn? Aha.
Deine Lügen komm bei mir nicht an.
Kann dann nicht mehr entspann', Mann.
Wär dann wie all die anderen.
Wundert voll, dass Dir da gar nichts fehlt.
Check mal aus, was da mit Wahrheit geht.
Lügen haben kurze Beine -
Hey, klein Egon, check mal deine.
Du rappst wie im Teufelswahn? Aha.
Und jetzt hör dir das mal an:
SABRINA:
Ich bin wie ich bin, leb meine eigene Anarchie.
Ich bin wie ich bin, lebe nicht wie sie.
Ich will nur Mensch sein und kein Star
mit verlogenem Grinsen in der Menschenschar.
Lasst mir Luft zum Atmen.
Lasst mich doch leben.
Lasst mir mein Ich.
Eure Masken stehen in Flammen.
Ich kann sie brennen sehen.
Darunter nur tote Gesichter,
die im Leeren stehen.
Wo ist euer Hirn, wo ist euer Herz?
Ihr müsst euch beeilen, bevor es erfriert,
im Sturm von Hass, Neid und Schmerz.
JULIA:
Lügen haben kurze Beine
Hey, klein Egon, check mal deine.
Du rappst wie im Teufelswahn? Aha.
Deine Lügen komm bei mir nicht an.
Kann dann nicht mehr entspann', Mann.
Wär dann wie all die anderen.
Wundert voll, dass Dir da gar nichts fehlt.
Check mal aus, was da mit Wahrheit geht.
CHICKO
MV EGON:
Morgens steh ich auf, wasch mir das Gesicht,
guck in den Spiegel, das bin ich nicht.
Chicko seine Zeit ist vorbei.
Er kommt zu mir und sagt: "Hau rein."
Versteh ich nicht recht.
Frag ihn wie jeden Morgen: "Hast du Kaffee aufgesetzt?"
Er sagt: "Nein, ich lass dich jetzt allein."
Seine 14 Monate gingen schnell an uns vorbei.
Wir werden uns sehen, die Welt ist klein,
bau draußen keine Scheiße, komm nicht mehr rein,
mach erstmal Urlaub im Sonnenschein.
Draußen ist das Leben, wo es sich lohnt zu leben.
Das musst du begreifen, auch wenn's mal schief geht,
dann musst du eben noch doller auf die Zähne beißen.
Ich glaub an dich und nicht nur ich,
viele andere wünschen es sich, dass du Chicko
auf Drogen verzichtest,
einen graden Weg gehst
und auf jeden schlechten Einfluss einen Fick gibst.
Du kommst aus dem MV,
ich selber weiß wie schwer es ist,
sich dort etwas aufzubaun.
Du hast das Gefühl, jeder will dich beklaun.
Dort denkt jeder nur an sich.
Mach dein eigenes Ding, Chicko,
ich glaub an dich.
Und lass die Finger weg von Drogen,
Drogen sind verlogen,
dein Rücken bekommt davon einen Bogen,
fühlt sich von der Menschheit betrogen,
runtergezogen.
Chicko, ich glaub an dich und nicht nur ich,
auch die anderen Freaks hier glauben an dich!
Kwitschie, seine Philosophie,
war zum Schluss immer eine Therapie,
Wagner, unser Verplaner, aber immer angesagter,
wer weiß, vielleicht wird aus ihm ein Drogenfahnder.
Peske, trägt eine schusssichre Weste,
das war auch der Grund, warum er uns immer stresste.
Für dich Chicko nur das beste.
Du warst Maler und hast mir meine Zelle renoviert,
als Dankeschön hab ich dir Chicko auf den Arm tätowiert.
Haben zusammen unsere Namen in Standardfarben
gegen die Knastmauer geschmiert.
Diese Zeit hier mit dir hat mir gezeigt:
für dich mein Bruder geh ich sehr weit,
noch viel weiter als die Unendlichkeit.
Jeder soll es wissen, diesen Track sollte man nicht dissen.
Diese Zeilen kommen vom Herzen,
beschreiben Zeiten voller Schmerzen,
mit unserem Leid ist nicht zu scherzen.
Wir haben füreinander gekämpft,
als würde unser Leben davon abhängen.
Wir wussten genau, uns wird nichts geschenkt,
haben unsere Probleme einfach aus dem Weg gesprengt.
Jetzt sind wir bereit, unser altes Leben in uns zu versenken.
Die Stunden hinter Gittern gaben uns Momente zum Bedenken,
um endlich zu kapiern, dass auch wir es schaffen können,
weil wir, Chicko und Klein Egon, existiern.
Kwitschie, seine Philosophie,
war zum Schluss immer eine Therapie,
Wagner, unser Verplaner, aber immer angesagter,
wer weiß, vielleicht wird aus ihm ein Drogenfahnder.
Peske, trägt eine schusssichre Weste,
das war auch der Grund, warum er uns immer stresste.
Für dich Chicko nur das beste.
MEIN LEBEN
übersetzt aus dem Serbo-Kroatischen von Rabo Kivio
RABO KIVIO:
Wach und echten Lebens hungrig, schaue ich von 5 bis 7 in
die Welt. Ich weiß, warum ich bin, wo ich jetzt bin.
War mir selber mein größter Feind. Ich bin sehr
liebenswürdig, aber noch mehr gefährlich, weniger
für mich, mehr für andere. Wie die Kugel aus der
Pistole bin ich tödlich für denjenigen, welcher
mich genug erzürnt. Ich bin nicht der einzige, der euch
warnt, bin nicht mal jemand, der euch den Verstand "salzt"
oder denkt, dass mich euer Interesse bereichern wird. Schnell
vergehen und flüchten die Jahre, wenn du glücklich
bist, solange du glücklich bist, so lange du deines Glücks
sicher bist und dein Leben in Ordnung ist. Ich geb euch was
zum Nachdenken. Ich lebe nicht mehr wie im Traum und als ob
jeder Tag mein vorletzter wäre. Bisschen spät, aber
zumindest jetzt sehe ich alles und erinnere mich, wie es früher
war. Nie angenehm, nur bitter, wenn dich etwas Schädliches
in der Jugend fängt und bis zum Alter oder Tod gefangen
hält.
Diese Worte, hört sie gut und erinnert euch an sie,
wenn ihr es nicht büßen wollt. Sie sind wichtige
Aussagen.
Roter Himmel, wie meine Augen, nachdem ich mich 23 Stunden
berauscht und betrunken habe. Darum habe ich fast meine gesamte
Zukunft ganz zerstört. Auf die ganze Welt bin ich sauer,
seit ich 5 Jahre alt geworden bin. Im Gefängnis bin ich
vernünftig geworden. In ihm bin ich gelandet, weil ich
nicht auf meinen Vater gehört habe. In Deutschland hier
in der Stadt Berlin bin ich geboren worden, aber auf unserem
Land in einem ruhigen und schönen Dorf bin ich aufgewachsen.
Da bin ich zur Schule gegangen und bin ein ausgezeichneter
Schüler gewesen. Jetzt mache ich mir Vorwürfe, dass
ich an den Ort meiner Geburt zurückgekommen bin. Hier
habe ich die allergrößten Probleme in meinem Leben
gemacht, die allergrößten Chancen habe ich gehabt,
aber habe nichts geschafft. Vor der Realität bin ich
geflüchtet und habe mich im Traum versteckt. Die Schule
habe ich gelassen. Habe mich den ganzen Tag betäubt und
mich mit meiner ganzen Familie gestritten. Mein Vermögen
und die allerwichtigste, allerschönste Zeit habe ich
verloren.
Diese Worte, hört sie gut und erinnert euch an sie,
wenn ihr es nicht büßen wollt. Sie sind wichtige
Aussagen.
Es ist noch schlimmer geworden, nachdem auch mich das Gift
verändert hat. Habe angefangen, zu lügen, unmöglich
viel zu schimpfen und mich ohne Grund mit anderen zu prügeln,
Geld ohne Vorsicht auszugeben, alkoholische Getränke
und Gras in immer größeren Mengen zu kaufen. Habe
alles geklaut was mir gefiel, obwohl ich es nicht musste,
weil ich genug "Potte" hatte oder es gar nicht brauchte.
Es ist nicht dabei geblieben, auch andere Sachen habe ich
genommen, verbotene Sachen gemacht und mich im Leben verirrt,
bis ich in die Wirklichkeit zurückgekehrt bin. O unglaublich,
wie ich mich betrogen habe. Habe viel zu viel gewartet, aber
mit Glück habe ich nicht alles verloren, habe mich nicht
mal aufgegeben. Ich bin noch jung und jetzt auf der richtigen
Seite, bin nicht ein Blöder, welcher nicht begreift.
Darum entfliehe ich dem Unglück.
Diese Worte, hört sie gut und erinnert euch an sie,
wenn ihr es nicht büßen wollt. Sie sind wichtige
Aussagen.
Herz voll Stärke, es ist noch nicht zu spät für
mich. Gekommen und angekommen ist die Zeit, dass ich euch
allen zeige, dass es wahr ist, was ich sage. Ich habe mich
gerettet, weil ich die gefährlich giftige Gewohnheit
wie eine tödliche Schlange aus der Hand warf und ihren
Schwanz noch rechtzeitig losließ. Habe mich gelehrt,
mich zu hüten, jetzt schreite ich auf dem richtigen Weg.
Arbeite mit der Firma, mache nicht Komplikationen, sondern
Musik und verdiene gut. Ich "voze" nicht rum, sondern
ich verkünde euch, dass ich überleben will, darum
nichts vergesse, auch wenn ich meine Geschichte nicht mag.
Ich bete zu Gott, aber erinnere mich und bezahle alles. Ihr
könntet etwas von mir lernen. Ich kämpfe immer weiter,
auch wenn ich blute und brenne, oder den Ausweg nicht sehe,
ich suche ihn, bis ich ihn treffe. Ich kann euch nicht richten,
oder euch Verstand schenken. Kann euch nur warnen, weil ich
die Wahrheit erzähle.
Diese Worte, hört sie gut und erinnert euch an sie,
wenn ihr es nicht büßen wollt. Sie sind wichtige
Aussagen.
Das Leben geht weiter und jeder schaut nach sich selbst,
aber es ist schwer, alleine aus dem Elend rauszukommen.
----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
CREDITS
Hörspiel
mit Mogli, Sabrina, Ingo a.k.a. MV Egon, Rados a.k.a. Samurai
a.k.a. Rabo Kivio, und Schneider TM.
Special Guest im Refrain: Julia Hummer. Schnitt: Paul Plamper,
Beat Halberschmidt und Marion Czogalla.
Mischung und Mastering: Beat Halberschmidt. Produktionsleitung:
Marion Czogalla.
Projektleitung Vorbereitungsphase: Julian Kamphausen. Redaktion:
Isabel Platthaus
Eine Produktion des Westdeutschen Rundfunks und des Norddeutschen
Rundfunks 2004.
Gefördert durch die Filmstiftung NRW.
Songs
1. Lüge vs. Wahrheit
T: Ingo Graeser, Vivian Radosavljevic, Sabrina Biernat, Julia
Hummer
M: Dirk Dresselhaus, Sabrina Biernat
Produziert & Gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing /
Copyright Control
Julia Hummer published by Müller + Frank Musikverlag,
mit freundlicher Genehmigung von Strange Ways Records &
All Please Sound
2. Chicko
T: Ingo Graeser, M: Dirk Dresselhaus
Produziert & gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing /
Copyright Control
3. Mein Leben
T: Vivian Radosavljevic
M: Dirk Dresselhaus
Produziert & gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing /
Copyright Control
4. Chicko - Dub
T: Ingo Graeser, M: Dirk Dresselhaus
Produziert & gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing /
Copyright Control
5. Mein Leben - Instrumental
M: Dirk Dresselhaus
Produziert & gemischt von Schneider TM
Dirk Dresselhaus published by La Chunga Music Publishing
Videos
1. Video Lüge vs. Wahrheit von Niklas Goldbach.
Mit MV Egon, Rabo Kivio, Mogli, Sabrina,
Schneider TM und Julia Hummer und Moglis Hund Motte
2. Video Chicko-Dub von Niklas Goldbach.
Mit Aufnahmen aus der JSA Berlin in Berlin-Plötzensee
und zwei Einstellungen aus der JVA Lichtenberg.
Artwork
Superschool
www.superschool.de
--------------------------------------------------------------------------------------------------------------------
English:
AN ACTION'S CHRONICLE
by Paul Plamper
It should concern us that an ever-increasing number of people
live in ever more crowded prisons yet it seems to have become
an accepted part of our system. So why shouldn't existence
behind bars gain public and cultural recognition? RELEASE
means publication but it also means liberation, deliverance,
redemption. We want a radio play and songs to demonstrate
what music and radio could potentially be: soundwaves, which
create public awareness for something that happens behind
closed walls.
2002. I have an idea for a documentary-style musical: Prisoners
and musicians would work together on a song, which is created
under, and so reflects, the situation of incarceration. With
a radio play in mind I want - as a first step - only to document
the process and then rely on the possibility of editing.
2003. Isabel Platthaus, editor at WDR/ 1- Live (a Cologne-based
radio station), indeed has the courage to get involved in
a project of which it is uncertain whether usable material
will emerge. I prepare the project with my friend and colleague
Julian Kamphausen. RELEASE takes one and a half years to get
started, simply because we cannot find 'our' musician.
2004. Marion Czogalla, with whom I have already collaborated
on HENRY SILBER, joins the project as a production manager
and brings the musician Schneider TM to our attention. A first
meeting with Schneider, who actually has a very busy schedule,
but who immediately says: I simply have to do it. We find
we are instantly on the same wavelength:
We don't want sensationalist "social porn". Instead
we want to concentrate on musical collaboration with the prisoners.
The focus is not on the music itself, more important is the
content the songs are to convey. To get a song finished is
the motto, because in the beginning we had the idea to do
just one song. We don't know what to expect in prison, but
are prepared to record everything for the radio play, including
possible crises and breakdowns. If need be the radio play
will tell the story of a failure.
May 2004. The administrations of the JVA Tegel (Tegel Prison),
the Jugendstrafanstalt (Juvenile Detention Centre) JSA Berlin-Plötzensee
and the JVA Lichtenberg (Women's Prison Lichtenberg) give
their Okay, despite a shortage of staff. One problem is that
this project takes away personnel from the day-to-day operation.
For us and for the prisoners many doors will have to be locked
and unlocked to get to the workspace. These and other last
minute hurdles - such as certificates of our good conduct
- are overcome thanks to helpful colleagues from the socio-therapeutic
departments. One member of staff from the JSA for example
tells us: "We depend on people from outside to initiate
projects, to bring in fresh energy."
We are allowed to spread a flyer in the prisons to announce
that we are looking for prisoners for our project: Dear Inmates!
Who wants to work with us on a song? We are looking for someone
who is interested in music or enjoys making music, who likes
writing lyrics or who wants to learn how to write lyrics,
and who would like to develop a melody for the lyrics, and
also has an interest in singing. Musical skills such as reading
notes or hitting the right tone are no basic requirement.
It is simply about finding an expression, through music and
lyrics, for the issues that concern you and you want to tell
about or perhaps the things that burn in your soul that you
want to give vent to. The musician and music producer Schneider
TM will be working with you. His musical background stretches
from rock to electronic music and he is known for the fusion
of various styles. (
). If you are interested in participating
or simply want to find out if this project has something to
offer you, meet us for an initial talk!"
July 2004. We meet inmates of three prisons, introduce them
to the idea and have talks to ascertain whether it seems plausible
to work together. After our talks, Schneider wants to work
with as many prisoners as possible and also produce a couple
of songs. We come to the decision to work with four inmates
in two prisons, because the logistical organisation would
get too big if we had to deal with three prisons. Ingo and
Rados from House 8 in the Juvenile Prison Berlin Plötzensee
and Mogli and Sabrina from the JVA Lichtenberg are supposed
to be working together on one song - without ever being in
the same room.
August 2004. From now on we are messengers who commute between
two prisons with digital data carriers. At each entrance we
have to deposit our mobiles and ID cards, then we and our
equipment are searched - since at each meeting we record a
radio play and install a music studio and are therefore laden
with technological equipment.
Except for this routine we barely get a glimpse into what
the everyday routine of imprisonment consists of, because
our project is well shut off from the routine operations.
The insular situation that we - for a few hours - are allowed
to create in the conference and rehearsal space at each meeting,
soon makes clear to us that the radio play cannot justify
the claim to tell about the prison routine in a comprehensive
way - if only, because we cannot live through the dimension
of time. The three or four hours we have on every occasion,
from afternoon to evening, when no more visitors are allowed
inside, always seem to be short, the good-bye is always hectic.
Sometimes communication has to continue via fax, for example,
in order to ask that a certain section be to be rehearsed
at the next meeting.
September 2004. I assure all people involved of their right
to have a say in the rough edit. Everybody forgets, ever the
more often, to have put on the clip-on microphones and even
during one of our last meetings the inmates ask: "Is
it running, are you recording this?" During all meetings
everything is being recorded.
That results in an enormous amount of sound material. By
December we will have accumulated 60 gigabytes, which we have
to condense to a 53-minute radio play. Marion pre-sorts the
material. We realise that it is impossible for the audience
to get to know all seven people involved. Therefore the first
and most time-consuming editing step is to make Marion and
myself disappear from the radio play.
Schneider creates the first beats according to the suggestions
of the prisoners, makes a recording of the girls' instruments
and Rados' human beat box. At this stage there are still a
lot of lyrics in circulation, some are put onto tape, others
discarded. It becomes clear that we want to produce four different
songs, but the working process takes its time. A reason for
that - among other things - is that Rados often gets locked
in his cell as a result of squabbles with other prisoners
and therefore can only rarely meet up with Ingo for writing
and rehearsing.
October 2004. Schneider has to go on tour in Japan. In the
meantime I record raps at the JSA Berlin to carry on our work.
Mogli is released from Lichtenberg. That leads to Sabrina
not showing up for the next couple of meetings. Rados and
Ingo have an argument with one another. Since our objective
is not to offer occupational therapy, but to get the songs
finished, all the people involved struggle through. Schneider
is back and prepares as much as he can at home. The fourth
song "The Splint In My Foot" from Lichtenberg we
discard because the released Mogli is not allowed to visit
Sabrina in prison with us: it is considered a risk to security.
Sabrina starts showing up a meetings again and Schneider works
with her to incorporate the "Anarchy Lyrics" into
"Lies vs. Truth". The jointly conceived song still
lacks a chorus. The singer and actress Julia Hummer listens
to the half-finished song in Schneider's studio, gets enthusiastic
about it and raps to it, just for fun. Almost by accident
she comes up with our chorus.
November 2004. Schneider has produced rough versions of the
three songs and now works on the first mixes while searching
sound samples of weapons with Rados and Ingo. The work on
editing the radio play gets intense. Over the last couple
of months the material has been condensed to three hours:
our essence of what has been happening. It becomes increasingly
unclear whether or not something bearable to listen to will
come out of it. The musician Beat Halberschmidt with whom
I have already worked on the radio plays TOP HIT and H2ODH,
joins us. We try out several beginnings. The desire to tell
everything paralyses us. We question whether this project
can be accomplished at all. A date for broadcasting is scheduled.
After listening to the rough version the editors at the radio
station seem concerned. They suggest telling the story based
on the songs. Finally we manage to produce a version which
tells the story of the development of the songs and also reflects
what was going on besides - a succinct spontaneous representation
that is understandable and personal enough. We stick with
this version.
December 2004. Meeting with Mogli who by this time lives
with her dog Motte, a couple of cats, many little puppies
and some other punks in Neukölln. We record her as the
narrator of RELEASE. The radio play is ready. All the prisoners
except for Sabrina listen to it. Some make use of their right
to 'a say' and have things edited out. We cannot get hold
of Sabrina who has been transferred to a "therapy-instead-of-punishment-institution"
and has run away from there. We are concerned because she
cannot now give her okay for the final version. The play is
successfully broadcasted at WDR-1Live.
January 2005. The radio play gets another broadcast at WDR3.
Rados gets released and leaves the city. Our next step is
to publish the songs and the play. Lieblingslied Records show
an interest. George Lindt wants to further develop the project
through the publication. He suggests producing it as a double
CD with additional material and to add a visual dimension
by producing a video for "Lies vs. Truth".
February 2005. Sabrina is back in prison in Lichtenberg.
We meet. She is happy about the play. More editing. The double
CD offers the opportunity to publish important scenes that
did not have a place in the play due to the time limits of
a radio broadcast. We decide to leave the radio version as
it is, but to add important fragments in the bonus material
in an attempt to widen the horizons of RELEASE in various
ways. Schneider produces a DUB-version of "Chicko"
and asks video artist and filmmaker Niklas Goldbach who has
previously made video clips for Schneider, if he would like
to film our clip.
For doing the filming with Niklas, Rados has to return from
Munich. We install a blue box at the office of Lieblingslied
Records, at the JVA Lichtenberg and in House 8 in Plötzensee.
All people involved are filmed on separate location, because
that is the only possible way of doing it. In the finished
video, all stand next to each other, presenting their collaborative
song. The video gives everybody the opportunity to finally
see the others: "I thought he would look completely different!"
Up until now participants had only known each other by voice.
March 2005. Niklas Goldbach produces a second video, for
the "Chicko"-DUB, with recordings from Plötzensee.
April 2005. Final check of the release by the prison administration.
Unfortunately, we have to follow the legal requirement of
the JSA Berlin: For the bonus material Ingo's face in the
video and the voice of a prison guard have to be made unrecognisable.
May, 14th, 2005. RELEASE is the opening event of a monthly
series called "DIE HÖRSPIELZENTRALE", organised
by Marion and me in the HAU-Theater in Berlin. This event
is also the record release party. Enjoy!
Berlin, 16th of April 2005.
TWO BERLIN PRISONS
by Kirsten Küppers
In the juvenile prison in Berlin-Plötzensee, 529 young
men are incarcerated. They are of about 35 different nationalities,
the Germans being the biggest group with 55 percent, followed
by the Turks (11%) and the Lebanese (7%). The average age
of the inmates is 21. 60 per cent are doing time for violent
offences, from robbery and aggravated assault to rape and
murder. About 60 to 70 inmates - according to the prison administration
- are so called multiple offenders.
At their first day in prison the men receive blue uniforms
that at the same time serve as a work gear. After 3 pm the
prisoners are allowed to wear their own T-shirts and trousers.
For recreational activities the prison offers - among other
things - a chess group, a football club and anti-aggression
training. The 9.5 square meter one man cells are equipped
with a separate bathroom unit with sink and toilet. The prisoners
themselves can lock them from the outside. The room is fitted
out with a bed, a cupboard, a desk, a chair, a small shelf
as well as a coat-rack. The inmates can bring along electric
devices such as tape recorder, Walkman and radio. For a bit
longer than a year now the institution has had its own website.
The Prison Plötzensee has existed for a long time. When
in the mid-19th century an increasing number of people from
all over of the country came to Berlin to look for work in
the new factories, the city needed a new prison. In the years
from 1848 to 1871 the population grew from 400 000 to 826
000. Last, but not least, the bad living conditions in the
tenement buildings contributed to spreading criminal energy
among the occupants. Gangs were formed, crime figures rose,
the existing penal institutions were not sufficient. The Ministry
of Justice under King Wilhelm I decided to build a new prison
on the site of the Tegel forestry estate Plötzensee.
Inside, the new institution conditions were also cramped.
The prisoners accommodated in shared cells with up to 40 others.
There was also the so-called mask wing. The strictly isolated
men were allowed to leave their cells only after putting on
a facemask. They were supposed to remain anonymous to have
no disadvantage in their later lives.
The prisoners spent their days in workshops where they produced
paper plates, doors, brooms, carpet beaters and coir matting.
Alongside school lessons, instructive lanternslide lectures
and gymnastic exercise were offered, attendance was compulsory.
In 1887 the Plötzensee prison was chosen as the location
for execution of the death penalty. Convicts with a death
sentence were beheaded by an executioner with a hand axe.
Especially during the Third Reich a lot of people who opposed
the regime were murdered in Plötzensee - among them the
members of "Rote Kappelle" and 89 members of resistance
from the circle of the assassins of 20th July.
After the war the Allies decreed that the Plötzensee
Prison become a juvenile detention centre. That didn't mean
the staff had to learn new methods. The young inmates were
kept the same way as the adults previously. They had to perform
the most simple and unqualified work and were rented out as
cheap labourers to private companies. They wove mats, glued
paper bags and stamped metal. The prison staff were not allowed
to have a private conversation with them. Because large sections
of the institution couldn't be used due to war damage, conditions
were very cramped. Up to three prisoners were confined in
a single person cell and shared units sometimes had to accommodate
25 men. It didn't take long before criminal subcultures and
an unpleasant enforcement structure had established themselves.
Only at the beginning of the Sixties the penal system in Plötzensee
was reformed: efforts with educational and social groups were
undertaken. The subcontracting of manpower was abolished in
1965. Since then there have been only apprenticeship workshops,
school with special need courses and the opportunity to work
towards a school-leaving certificate. The prison management
came to the conclusion that only in a newly built establishment
with bright, modern rooms a reasonable penal system can be
possible. A nationwide architectural competition was announced
and took its time. Lobbyists who objected to prisons on principle
and wanted to abolish them, protested against the plan. As
a matter of fact the new development was not ready to be occupied
until 1987.
Today, a residential group in Plötzensee comprises 10
to 20 inmates. As a general rule the prisoners are accommodated
in single bed cells. Each group is supervised by a social
worker or psychologist and by prison officers. Together with
each prisoner they work out a plan of action, which defines
the main objectives of therapy and further vocational training
and education. There are one-to-one interviews and group discussions,
a debtor advisory service, computer courses etc. The cells
are open open and unlocked from 6 am to 9 pm. Clubs, theatre
groups, church events and student groups get invited on a
regular basis to bridge the gap between inside and outside.
The prison administration reports that aggression among inmates,
against staff and property have decreased since these and
other measures, such as the possibility to ease restrictions
on holidays and probationary time out, were introduced.
Still in existence are the parallel economies that are to
be found in every prison, for example, the illicit trade with
drugs and cigarettes and also the legal on-site business of
an enterprising Berlin-based company that overcharges the
prisoners for basic commodities.
Imprisonment for women is organised in a different way. Whereas
in Berlin more than 5000 men are imprisoned, there are only
about 220 female inmates. Prison psychologists say, while
men direct their frustrations at their fellow prisoners, women
are more likely to turn their violent impulses against themselves.
They are more at risk from suicide, it is said.
Therefore, there is more liberty at the women's prison in
Berlin-Lichtenberg than at the detention centres for men.
The prison is not any more as it was when it was still a notorious
Stasi prison. Then, the inmates were crowded into narrow cells
and hassled by unpleasant guards and the food tasted awful.
A former inmate recounts: "Especially the cabbage soup
which was on the menu every Monday was unpopular with everyone.
The flavour reminded of a damp washing up cloth that had been
kept over a long period of time. Another unpleasant dish was
"Tote Oma" (Dead Granny), black pudding mixed with
large amounts of water to a spinach-like sauce."
Today, Lichtenberg is considered a particular progressive
facility. All 230 inmates live in residential groups, where
they can move about freely, cook or watch TV. The single cells
remain open, only the residential unit gets locked. It is
not customary to permanently control the prisoners. For women
with a drug addiction there even is a syringe machine on the
corridor.
But nevertheless there was an outbreak of violence at the
beginning of last year. Four women beat a 20 year old with
an electric cable; her head was shaved and she was forced
to drink urine.
"That won't happen again", hopes the Head of the
Lichtenberg Prison. "We have taken measures to increase
social control among the women."
THE SONG LYRICS
LIES vs. TRUTH
MV EGON:
I enjoy lying, it makes my eyes sparkle
I lie far too often, it's my addiction, it is what drugs are
to others
That is why it is written across my T-shirt: "I have
lied"
I've cheated on many women, lied from morning 'til night
I've broken many women's hearts
I've never tried to pull thoughts about lying out of my head
Rather laughed about it.
Lying to me is like an unknown power
It has always worked for me
So far it hasn't failed me
Not even the lie detector has managed
To uncover my lies and bring the truth to light
Little Egon has always turned a lie into truth
To spread it among the people everyday -
Always successfully, of course
Otherwise it wouldn't make sense.
People would say I am crazy
But no way, my lies are already melding with your brain cells
My lies are also cruel
Without hesitation they infiltrate your thoughts.
RABO KIVIO:
No way
Your lies are leaky like a sieve
And deluding like a hallucinogenic trip
As a matter of principle I give everyone good advice
With me you won't succeed
At most you managed to succeed once
After that you bang your head against a brick wall.
So leave the shit, because I am not into politics
Without diversion I tell the truth
Because it screams out from my heart
It still stands when everything is gone, nothing remains
And life dictates the lyrics
It has freed me from the dark
And taught me a lesson
Now I am prepared for every struggle
You cannot pull wool over my eyes,
I am not one who doesn't feel the truth
Because they cheat or lie too often and don't look for it
Because they cannot bear the truth
I wasn't always honest
Therefore I won't complain
I put my cards on the table
I am systematically
Allergic to lies
As to three week old fish
JULIA:
Lies have short legs
Hey little Egon, check yours
You are rapping as if in a devils delusion
Your lies don't get anywhere with me
MV EGON
I listened to your lyrics and died laughing
In your shoes I would have already killed myself
Open your eyes
Your are stuck in your make-believe world
These days the whole contemporary generation is based on lies
No matter where. No matter when.
Everything we see, nowhere is a piece of truth to be found
That is also the reason why little Egon raps as in a devils
delusion
JULIA:
Lies have short legs
Hey little Egon, check yours
You are rapping as if in a devils delusion
Your lies don't get anywhere with me
Your lies don't get anywhere with me
I wouldn't be able to relax any more
would then be like all the others
I wonder why you don't miss a thing
Check out what it would be like to be truthful
Lies have short legs
Hey little Egon, check yours
You are rapping as if in a devils delusion
Your lies don't get anywhere with me
And now listen to this:
SABRINA:
I am what I am, living my own anarchy
I am what I am, I don't live like them
I just want to be human, a person, not a "celebrity"
With a false grin among a crowd
Leave me air to breathe
Let me live, after all
Leave my me to myself
Your masks are ablaze
I can see them burn
There beneath only dead faces
Which stand in a void
Where is your head, where is your heart?
You have to get cracking before it freezes to death
JULIA:
Lies have short legs
Hey little Egon, check yours
You are rapping as if in a devils delusion
Your lies don't get anywhere with me
Wouldn't be able to relax any more
I would be like all the others
I don't understand why you don't miss a thing
Check out what it would be like to be truthful
CHICKO
MV EGON:
In the morning I get up, wash my face
Look in the mirror, that ain't me
Chickos time is over
He comes to me and says "Get going"
I don't quite get it
Ask him like every morning: "Have you put the coffee
on?"
He says: "No, I now leave you to yourself"
His 14 months has gone by for us in no time
We will meet again, the world is a small place
Don't fuck up on the outside, don't come back in
First take a holiday in the sun
Outside it happens, the life that is worth living
That you have to understand, even if things sometimes go wrong
Then you just have to grit your teeth even a bit more
I believe in you, and not only me
Many others also wish that you, Chicko do without drugs,
That you go straight and give a fuck about every bad influence
You come from the MV (Märkisches Viertel, a gritty neighbourhood)
I know myself how hard it is to get something started there
You have the feeling that everyone wants to steal from you
Everyone only thinks of themselves there
Do your own thing, Chicko, I believe in you
And keep your hands off drugs, drugs are false
Your back gets bent by them
Feels betrayed by mankind, drawn down
Chicko, I believe in you and not only me
The other freaks here, too
Kwitschie, his philosophy
In the end always turned out to be a therapy
Wagner, out of it, but always on it
Who knows, maybe he will turn out to be a narc
Peske, he wears a bullet-proof vest
that is also why he always gave us a hard time
To you, Chicko, only the best
You were a painter and decorated my cell
As a 'thank you' I tattooed Chicko onto your arm
Together we have scribbled our names
On the prison wall
The time with you has shown me
For you, my brother I go out of my way
Even further than infinity
Everyone needs to know
This song should not be dissed
The lines come from the heart,
Describing painful times
No need to joke about our suffering
We fought for each other as if our life depended on it
We knew very well that nothing comes for free
Simply blew our problems out of the way
Now we are ready to sink our former lives
The hours behind bars gave us time to consider
To finally understand that we can also make it
Because we, Chicko and Little Egon, exist
Kwitschie, his philosophy
In the end always turned out to be a therapy
Wagner, out of it, but always on it
Who knows, maybe he will turn out to be a narc
Peske, he wears a bullet-proof vest
That is also why he always gave us a hard time
To you, Chicko, only the best
MY LIFE
Translated from Serbo-Croatian by Rabo Kivio
Rabo Kivio:
Awake and hungry for real life, I looked at the world from
5 until 7. I know why I am where I am. I was my own biggest
enemy. I am very likeable, but even more dangerous, less to
myself, but to others. Like a bullet from a gun I am deadly
for anyone who has incensed me enough. I am not the only one
who warns you, I am not even someone, who "salts"
your mind or thinks that your concern will enrich me. Years
fly by at a rapid pace when you are happy, while you are happy,
as long as you feel confident about your fortune and your
life is all right. I give you something to think about. I
no longer live my life as if it was a dream and as if every
day was the last but one. A bit late, but at least I see everything
now and remember how it used to be. Never pleasant, just bitterness,
when something adverse entraps you while you are young and
keeps you captive until old age or death.
To these words listen well, and remember them if you don't
want to atone for it. These are important statements.
A red sky, like my eyes, after I have spent 23 hours getting
drunk and intoxicated. For this reason I have destroyed my
whole future almost entirely. I have been angry with the entire
world since I turned 5. In prison I have come to my senses.
I landed in prison because I have not been listening to my
father: I was born in Germany in the city of Berlin, but I
grew up in our country in a beautiful and tranquil village.
There I went to school, I was a brilliant student. Now I reproach
myself for having returned to the place of my birth. Here
I got into the biggest trouble of my life; I had the greatest
opportunities, but haven't accomplished a thing. I have fled
from reality hiding in a dream world. School I ignored. I
got out of it all day long and fell out with my family. I
lost my fortune and wasted what should have been the most
important, most beautiful time of my life.
Everything got even worse after the poison changed me. I started
to lie and badmouth non-stop, to beat up others, spend money
without care, I bought booze and weed in ever larger amounts.
I stole everything I liked, even though I didn't need to,
because I had enough 'dough' or didn't even need the things.
There was more to come. I also started using other drugs,
did illegal things and went astray, until I returned back
to reality. Oh, it's incredible, how I deceived myself. I
spent too much time holding on, but luckily I have not lost
everything, haven't given myself up. I am young and now I
am on the right side, I am not too stupid to realise. That
is why I escape from misery.
To these words listen well, and remember them if you don't
want to atone for it. These are important statements.
A heart full of strength, it is not too late for me. The
time has come to show each and every one of you, that what
I say is true. I saved myself, by throwing the poisonous dangerous
habit away like a deadly snake and letting go of its tail
just in time.
I have taught myself to take care, now I am on the right track.
I work with the company, creating no hassle, but music and
earn good money. I don't fuck around, instead I let you know
that I want to survive and therefore won't forget, even though
I don't like my own story. I pray to God, however I remember
and pay for everything. You can learn from me. I keep on struggling,
even when I bleed and burn, or don't see the way out. I look
for it until I find it. I can neither judge you or give you
reason. I can only warn you because I am telling the truth.
To these words listen well, and remember them if you don't
want to atone for it. These are important statements.
Life continues and each one looks after oneself only, however,
it is difficult to leave misery behind when you are left alone.
|